Schriftgröße A+ A-

Nachrichten aus dem Rems-Murr-Kreis

Mo

04

Mai

2015

„Lieber klare Worte statt zu viel Diplomatie“ 

Interview mit der Kirchbergerin Gudrun Wilhelm, die auf politischer Ebene Einfluss nimmt

Bekannt für offene Ansagen:  Die engagierte Kirchbergerin  Gudrun Wilhelm.
Bekannt für offene Ansagen: Die engagierte Kirchbergerin Gudrun Wilhelm.

Sie lacht gerne, während die Augen ständig in Bewegung sind. Wenn Gudrun Senta Wilhelm spricht, dann mit Nachdruck. Klare Gedanken. Klar formuliert. Eine Frau, die weiß was sie will. Und was sie nicht will. Nämlich angepasst sein. Mit ihren 60 Jahren versprüht Gudrun Wilhelm trotzdem viel Charme. Die Frau aus Kirchberg an der Murr powert gerne. Lieber die Initiative ergreifen statt in die Defensive gedrückt zu werden. Das spüren Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Sport, vielmehr auf politischer Eben. Seit Jahrzehnten ist Gudrun Wilhelm ein Aushängeschild der FDP in der Region. Mit dem Parteibuch geht die gelernte Bankkauffrau jedoch nicht hausieren. Lieber eckt sie auch mit den Liberalen mal an. Zudem ist die Kirchbergerin Vorsitzende des Vereins „Politik für Frauen“. – jUHU-Redakteur Jürgen Klein sprach mit Gudrun Wilhelm.

Seit Jahren sind Sie ein Aktivposten in der Politik. Was ist der Reiz daran?

Die Kontinuität. Durch den Einblick den Überblick zu haben, wie sich Gemeinde, Kreis und Region entwickeln. Durch viele Gespräche in den vielfältigen Bereichen des täglichen Lebens, weiß ich um die Sorgen und Ängste, aber auch die Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen der Menschen an die politisch legitimierten Volksvertreter. Dies möchte ich mit Bereitschaft und Leidenschaft in die Gremien transportieren.


Gemeinderätin, Kreisrätin und Mitglied im Regionalparlament. Ämterhäufung oder eine passende Politschiene?

Eher eine logische Ergänzung. Gemeinden und Städte finanzieren unter anderem die Landkreise durch die Kreisumlage. Der Verband Region Stuttgart ist umlagefinanziert. Das heißt: Städte, Gemeinden, die Landkreise Waiblingen, Böblingen, Esslingen, Göppingen oder Ludwigsburg und die Stadt Stuttgart finanzieren durch die Zahlung ihrer Umlage die Aufgaben des Verbands Region Stuttgart. Als Frau der Basis möchte ich Wünschenswertes vom Realisierbaren finanzierbar machen.


Seit Jahrzehnten sind Sie Mitglied der FDP. Einer Partei, die zuletzt vielfach belächelt wurde. Hat Sie das persönlich getroffen?

Ich war immer vom liberalen Gedankengut überzeugt. Und die FDP war immer eine kleinere Partei, keine große Volkspartei. Ihre Wähler mussten immer bereit sein, sich mit Inhalten und nicht Personen auseinanderzusetzen und sich letztlich auch dafür interessieren. Dieses Interesse, wofür eine Partei steht und weshalb sie gewählt werden will und sollte, wurde aus meiner Sicht mit Schlagworten und Personalien überfrachtet. Das hat mich schon manchmal verletzt.


Seit 2003 gibt es den Verein „Politik für Frauen“, der lange Jahre eher ein Schattendasein führte. Seit 2012 heißt die Vorsitzende Gudrun Wilhelm. Was hat sich getan?

Wir Gründerinnen wollten und wollen überparteilich und überkonfessionell vernetzt bleiben. Und nicht unsere persönliche gegenseitige Wertschätzung an Parteigrenzen enden lassen. Unser gemeinsames Ziel ist weiterhin mehr Frauen in die kommunalen Parlamente zu bringen.

Ich war Gründungspräsidentin bis 2008. Zeitlich konnte ich mich nicht mehr in diesem Umfang einbringen. Danach hatte CDU-Regionalrätin Roswitha Schenk diese Funktion inne. Als ich 2011 wieder zur Präsidentin gewählt wurde zählte der Verein 54 Mitglieder. Alle zusammen, einfach das ganze Präsidium, haben wir ab 11. August 2011 richtig Gas gegeben. Vor zwei Jahren haben wir unsere Satzung zum ersten Mal geändert. Der Aktionsradius erstreckt sich nun nicht mehr allein auf dem Rems-Murr Kreis. Das hat sich bewährt. Mittlerweile kommen die aktuellen 257 Mitglieder aus ganz Deutschland. Sogar drei Parlamentarierinnen aus der Ukraine haben sich uns 2014 angeschlossen. Wichtig ist, dass wir tatsächlich überparteilich und überkonfessionell aktiv sind.


Mussten Sie sich als Frau den Respekt der Männer erkämpfen?

In manchen Bereichen schon. Doch letztlich werde ich als Person und wegen meiner Kompetenz geschätzt. Mein Engagement wird – aus meiner Sicht – allgemein anerkannt. Nicht nur von den Liberalen, sondern von allen Kollegen und natürlich Kolleginnen.


Geht politische Arbeit auch ohne Parteibuch?

Der Verein „Politik mit Frauen“ lebt die persönliche, uneingeschränkte Wertschätzung jeder Mandatsträgerin, eines jeden Mitgliedes. Dass politische Meinungen vertreten werden, ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Es geht immer um die Sache nicht um die Person. Menschlich müssen wir uns, unbeschadet von Partei-Ideologien oder Religionen, achten und austauschen können. – Freies Denken ist wichtig.


Was nervt Sie an der Politik?

Langatmigkeit und der Abklatsch von politischen Phrasen. Mich nervt wenn vor lauter Diplomatie keine klaren Worte gesprochen und Anliegen nicht auf den Punkt gebracht werden. Statt lieber mal an zu ecken und seine Meinung zu vertreten. Das ist jedoch das wichtigste Element in der Demokratie: Die eigene Meinung öffentlich zu machen und sich einer Diskussion zu stellen. Egal wie und wo.


Geht’s zu viel um die Partei oder Person statt um die Sache?

Narzissmus gibt es in allen Bereichen. Wenn ich hinter einer Sache stehe oder eine Idee gut finde, liebäugle ich persönlich nicht, woher oder von wem der Gedanke kommt. Wichtig für mich ist, ob ein Engagement dafür Wert hat.


Was mögen Sie an Menschen gar nicht?

Schwarzmalerei und Katastrophenszenarien. Und mich mit Unehrlichkeiten und Lügen, Kungeleien und Mauscheleien kann ich mich gar nicht abfinden.


Wie baut Gudrun Wilhelm ihren Frust ab? 

In erster Linie durch Sport. Wenn gar nichts hilft durch putzen, aufräumen und umräumen. Ein Leberwurstbrot ist die kalorienreichere Variante beim späten Nachhause kommen. Mit Gurke oder Senf – auch nach Mitternacht. 

Jürgen Klein

0 Kommentare

Mo

04

Mai

2015

Geriatrie-Abteilung mit eigenem Chefarzt etablieren

Info-Gespräch des Kreisseniorenrats mit dem scheidenden Landrat Johannes Fuchs

Ein Abschlussgespräch mit dem scheidenden Landrat Johannes Fuchs führte der Vorstand des Kreisseniorenrates (KSR), vertreten durch Heinz Weber, Waltraud Bühl, Christa Cepa-Reitzel, Roland Schlichenmaier, Gerhard Dannwolf und Karl-Heinz Pscheidl, in Waiblingen. Als Vertreter des Landratsamtes war außerdem Werner Geiser anwesend. Landrat Fuchs erwähnte die gute Zusammenarbeit mit dem KSR. Zudem betonte er, dass man die hohe Wertigkeit des Gremiums schon an der Tatsache ablesen könne, dass in den Ausschüssen des Kreistages Vertreter des KSR Rederecht hätten.

Ein wichtiges Thema im weiteren Gespräch war das Klinikum in Winnenden. Der Interimsgeschäftsführer Dr. Marc Nickel plant zusammen mit den Ausschüssen den Ausbau des Angebotes. Dabei nicht nur in der Grund- und Regelversorgung, sondern „Highlights“, wie die Schaffung einer Hauptabteilung Onkologie und Gefäßchirurgie, die jeweils von einem Chefarzt geleitet werden soll. Weiter ist vorgesehen, die Geriatrie, also die Abteilung, die sich speziell um ältere Patienteninnen und Patienten kümmert, ebenfalls als Hauptabteilung mit einem Chefarzt zu etablieren. 

Probleme die von der Bevölkerung immer wieder angesprochen werden, wie beispielsweise lange Wartezeiten in der Ambulanz und Beschwerden über das Essen, werden laut Dr. Nickel ernst und in Angriff genommen. 

Die Stadt Murrhardt hat sich um die Einrichtung eines Pflegestützpunktes beworben. Die Genehmigung eines solchen Stützpunktes hängt sehr stark von den Sozialkassen ab.

Landrat Johannes Fuchs hob die verschiedenen Aktionen der Senioren im Kreis hervor. „Sehr gut“ findet er, dass im Landkreis dieses Jahr wieder ein Theaterstück „Der ungebetene Gast“ mit den Themenschwerpunkten „Einbruch, Computersicherheit und Internetbanking“ stattfindet. Diese Aufklärungsreihe wird von der KSK Waiblingen, der Aktion sicherer Landkreis und der Polizei unterstützt. Wo die einzelnen Aufführungen stattfinden, ist auf der Homepage des Kreisseniorenrats zu finden (www.ksr-rems-murr.de).

Seine Probleme legte der Kreisseniorenrat auf den Tisch. Eine Fachtagung des ÖPNV findet im Herbst dieses Jahres statt. Ziel ist die Klärung der Tarifstrukturen. Der KSR-Vorsitzende Heinz Weber fordert in diesem Zusammenhang eine Seniorenpartnerkarte, die 10 bis 20 Prozent billiger sein sollte. Die Senioren – und behindertengerechte Gestaltung von Bahnhöfen und besonders Bahnsteigen ist ein wichtiges Thema. Die Lösung ist anscheinend schwierig, weil sowohl die Interessen der Bahn, der Kommunen und des Landes unter einen Hut gebracht werden müssen. – Dabei geht’s wieder einmal auch um die Finanzen.

Die Sorge um die hausärztliche Versorgung ist ebenfalls aktuell. So gibt es Fälle, in denen ein Mediziner zwar die Stelle eines Hausarztes innehat, aber für die Allgemeinheit nicht mehr praktiziert. In der Statistik gilt die Stelle jedoch als besetzt. Eine Differenzierung der Bedarfsmittel sollte erfolgen. Über die zahnärztliche Versorgung von Heimbewohnern sollte Frau Dr. Hannes vom MDK angesprochen werden, der Landkreis ist dafür nicht zuständig.

Landrat Johannes Fuchs schloss das Gespräch mit der Bitte und der Hoffnung, dass auch unter seinem Nachfolger die Zusammenarbeit auf allen Ebenen wie bisher gut funktionieren werde. 

Karl-Heinz Pscheidl

0 Kommentare