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    Sechste „Kommunale Gesundheitskonferenz“ Rems-Murr-Kreis tagte – Intensiver Austausch für einen gesünderen Landkreis

    Kreisseniorenratsvorsitzende Waltraud Bühl: „Reha-Möglichkeiten im Remstal vor allem für ältere Menschen ein großes Problem“

    Wie können Einrichtungen aus dem medizinischen Bereich besser zusammenarbeiten? Sind die Arztpraxen im Kreis barrierefrei? Und wie kann die Schulverpflegung verbessert werden? Diese wichtigen Themen und einige andere hat die kommunale Gesundheitskonferenz Rems-Murr-Kreis unter anderem behandelt. 

    Der Vorsitzende der Gesundheitskonferenz, Landrat Dr. Sigel, betonte in seiner Begrüßung: „Es ist gut, wichtige gesundheitliche Themen im Landkreis in so kompetenter Runde wie der Gesundheitskonferenz diskutieren und Lösungen auf den Weg bringen zu können, zum Nutzen der Bürgerinnen und Bürger in unserem Landkreis.“ Dr. Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, stellte das Konzept der sektorenübergreifenden Versorgung vor. 

    Auf wichtige Themen wurde bei der  sechsten „Kommunale Gesundheitskonferenz“ Rems-Murr-Kreis eingegangen.
    Auf wichtige Themen wurde bei der sechsten „Kommunale Gesundheitskonferenz“ Rems-Murr-Kreis eingegangen.

     

    Es geht darum, Kliniken und Einrichtungen der Region, wie beispielsweise Ärzte, (Psycho-)soziale Dienste oder Rehabilitation, so zu vernetzen, dass die Patienten und ihre Angehörigen von einer besseren Versorgung profitieren.

    Insbesondere für sechs Krankheitsbilder bieten sich auch im Rems-Murr-Kreis zukünftig gute Ansatzpunkte und ausbaufähige Strukturen an: Anorexia, Darmkrebs, Demenz, Diabetes, chronischer Rückenschmerz, Schlaganfall. Konkrete Verbesserungen wurden bisher wie schon bei der Schnittstelle Notaufnahme/Notfallpraxis erzielt, so Dr. Nickel. Durch die Schnittstelle zum Rettungsdienst lässt sich zudem sektorenübergreifende Versorgung besser steuern. In seinem Fazit erklärte der Geschäftsführer, dass bisher eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen erkennbar sei, der große Rahmen aber noch fehle. Zudem sei die Frage der Refinanzierung nur in Ansätzen geklärt.

    Ambulante medizinische Versorgung schwerst- und mehrfachbehinderter Menschen im Landkreis war das Thema der Bachelorarbeit von Helen Pfeuffer beim Gesundheitsamt und in Kooperationen mit dem kommunalen Behindertenbeauftragten, Roland Noller. Die Ergebnisse und konkrete Handlungsempfehlungen stellte sie auf der Gesundheitskonferenz vor. Im Ergebnis zeigte sich, dass sich viele Ärzte Schulungen zum Thema wünschen. Allerdings kann nicht jede Arztpraxis eine in jeder Hinsicht optimale Barrierefreiheit bieten. Ihre konkreten Empfehlungen sind: Die vorhandenen Strukturen für die Betroffenen besser nutzbar zu machen, beispielsweise durch Wegweiser, Schaffung eines aufsuchenden Beratungsangebotes für Ärzte und Beratungsangebote zur ärztlichen Versorgung für behinderte Menschen.

    Weitere Probleme wie der erhöhte Zeitaufwand bei der Behandlung Behinderter, der nicht abgerechnet werden kann, oder der geringe Stellenwert der Thematik in der ärztlichen Ausbildung dürfen dabei nicht übersehen werden, können aber nicht allein auf Landkreis­ebene gelöst werden.  

    Dr. Richard Sigel regte an, die konkret im Landkreis umsetzbaren Empfehlungen anzugehen. „Hiermit können wir eine wesentliche Verbesserung der ambulanten medizinischen Versorgung der behinderten Menschen im Landkreis und ihrer Angehörigen auf den Weg bringen.“ Anschließend informierte der Landrat über die Konsolidierung der Selbsthilfekontaktstelle. Diese ist aktuell noch befristet, der Sozialausschuss beschloss jedoch, eine Entfristung auf den Weg zu bringen, damit die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises auch in Zukunft dieses für Betroffene wertvolle Angebot nutzen können. Eine Entfristung der Stelle wird daher Teil der Haushaltsberatungen 2019 sein, die im Herbst anstehen. Die Gesundheitskonferenz unterstützt diesen Weg. 

    Ambulante Rehabilitationsangebote fehlen im Landkreis – das hat eine Recherche des Gesundheitsamtes und der Rems-Murr-Kliniken bestätigte. Dr. Ute Ulfert, Kreisrätin und Ärztin, bemerkte hierzu: „In Fall der ambulanten Reha ist gerade der Raum Schorndorf etwas schlechter versorgt. Der Patient aus Waiblingen oder Fellbach kann nach Stuttgart gehen, der Backnanger nach Großbottwar und Marbach.“ 

    Die Vorsitzende des Kreisseniorenrates Waltraud Bühl betonte, dass das Fehlen solcher Reha-Möglichkeiten im Remstal vor allem für ältere Menschen ein großes Problem darstellt und sich aufgrund des demografischen Wandels zunehmend verschärft. Der Landrat versicherte, dass ihm die Bedeutung und Wichtigkeit des Themas bewusst sei, weswegen er es auch in die Konferenz eingebracht habe. Dr. Nickel von den Rems-Murr-Kliniken bestätigte das Problem, meinte jedoch, dass der Bereich ambulante Reha aufgrund der problematischen finanziellen Rahmenbedingungen grundsätzlich schwierig sei: „Selbst große Anbieter haben sich hier zurückgezogen, weil die solide finanzielle Basis fehlt.“ Dr. Sigel versprach, das Thema seitens des Landkreises im Auge zu behalten und Vorstöße in diese Richtung im Rahmen der Möglichkeiten des Landkreises zu unterstützen. 

    Das Schlusswort des Landrats richtete den Blick in die Zukunft: „Es gilt nun, die heute hier diskutierten Themen und Probleme zu bearbeiten und für unseren Landkreis maßgeschneiderte und gute sowie für die Betroffenen hilfreiche Lösungen zu finden.“  

    Jürgen Klein

    Hintergrund

    Die Kommunale Gesundheitskonferenz im Rems-Murr-Kreis ist ein Netzwerk von Institutionen und Personen aus dem Gesundheitssektor, angrenzender Ressorts und der Kreispolitik, dessen Hauptziel der Erhalt und die Förderung der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger des Rems-Murr-Kreis ist. Die Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz ist beim Gesundheitsamt angesiedelt. Vorsitzender ist Landrat Dr. Richard Sigel.

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