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    Wenn „Flasche leer“, dann wird aufgeräumt

    Viel mehr Lust als Last im Ehrenamt – Werner Benignus tritt als Aktivposten künftig kürzer

    Viele kennen ihn, den Werner Benignus. Aus zwei Gründen: Seit zehn Jahren ist er Präsident des mittlerweile Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach. Ehrenamtlich. Vor 20 Jahren hat er die ASPA-Bauträgergesellschaft gegründet, die mittlerweile ebenfalls in einer Liga mit hohen Ansprüchen spielt. So weit, so bekannt. Was weniger bekannt ist: Der 67-Jährige hat sich trotz der Beanspruchung im Berufsleben in zahlreichen Ehrenämtern engagiert. Oft als Frontmann, manchmal eher im Hintergrund.

    „Was willst Du denn von mir wissen. Du kennst mich doch lange genug“, meint Werner Benignus zur Begrüßung in den Firmenräumen in Aspach und führt in sein Büro. Ein kleinerer Raum wie früher. Umgezogen in ein kleineres Büro ist er, und wird demnächst erneut umziehen. „Wir brauchen Platz, ich brauche nicht  mehr so viel Raum“, meint der Firmengründer. Langsam zieht sich der Chef aus dem Unternehmen zurück. Er klammert sich nicht an den Schreibtisch, hält sich nicht für unentbehrlich. Im Gegenteil. Es ist ein Aufatmen: „Für mich ist es gut, dass ich nicht mehr so viele wichtige berufliche Entscheidungen treffen muss.“ Mit Sohn Andreas hat er (s)einen kompetenten und engagierten Nachfolger gefunden: „Dabei habe ich ihn nie in die Firma gedrängt. Das kam von ihm aus freien Stücken.“ – Und die ASPA Bauträgergesellschaft boomt.


    Ebenso boomt der selbsternannte Dorfklub durch die Republik, die SG Sonnenhof Groß­aspach. Seit zehn Jahren prägt Werner Benignus als Präsident die Erfolgsgeschichte mit, um nun dieses Ehrenamt abzugeben. 

    Und wenn einer wie er „von mehr Respekt und Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit“ spricht, dann tut er dies nicht als SG-Verantwortlicher. Was weniger bekannt ist, ist die Liste des freiwilligen Engagements in verschiedenen Vereinen und Organisationen: Beispielsweise als langjähriger Kassenprüfer vom Roten Kreuz in Aspach. Aus einer Bierlaune („wir waren damals eine Skifahrer-Clique“) wurde er zum Mitgründer des Tennis- und Skiclubs (TSC) Auenwald. Wobei „mit Schaufel und Schubkarre“ die ersten Tennisplätze angelegt wurden.

    Als Unternehmer in der Gemeinde war’s ihm eine selbstverständlich, dass ein Werner Benignus zu den Mitbegründern des Bundes der Selbstständigen (BdS) Aspach gehört. Nicht nur als Karteileiche. Er war stellvertretender Vorsitzender, dann erster Vorsitzender. Als Ehrenvorsitzender ist seine Meinung heute noch gefragt. Beispielsweise wurde die erste Leistungsschau in der Umgebung veranstaltet, der Weihnachtsmarkt wurde auf den Weg gebracht. Vieles ließe sich noch anführen.

    Privat wohnt der Unternehmer seit Jahrzehnten in Sulzbach an der Murr. Auch hier konnte er es nicht lassen: Am 9. November 1989 zählt Werner Benignus zu den Mitbegründern des Tennisclubs (TC) Sulzbach/Murr. Natürlich mussten Anlage und die Plätze erstellt werden. Als ehrenamtlicher Schatzmeister stand er besonders in der Verantwortung – und damit im Risiko.

    Das Ganze auch noch erfolgreich unter einen Hut bringen zu können, schreibt Benignus nicht allein auf seine Fahne. Ohne die Unterstützung und Toleranz seiner Frau mit der er seit 41 Jahren verheiratet ist, wären diese ganzen Herausforderungen nicht zu bewältigen gewesen. „Außerdem hatte ich meist das große Glück mit fachkundigen und engagierten Leuten zusammenarbeiten zu können.“ Den Big Boss hat er nicht raushängen lassen, doch auf der Nase herum tanzt ihm niemand: „Ich sehe mich bei der SG Sonnenhof Groß­aspach nicht als alles bestimmender Präsident, eher als Moderator. Jeder Mitarbeiter hat seine Aufgabe, ist dafür kompetent und trägt die Verantwortung.“ Im Gegensatz zu vielen Vereinen im Fußball, spätestens ab der dritten Liga, lebt der Dorfklub gerade in den Führungspositionen vom ehrenamtlichen Engagement.

    Benignus kennt jedoch ebenfalls die andere Seite der Medaille. Sein Einsatz hat ihm nicht nur Schulterklopfen eingebracht, gelegentlich vielmehr mächtig Ärger. Mittlerweile bleibt er gelassen, reagiert dementsprechend: „Auch für Kritiker haben wir im Verein eine Aufgabe. Jeder kann bei uns etwas verbessern, kann uns weiterhelfen.“ 

    Die Freude jedoch überwiegt eindeutig. Dafür gab und gibt es für ihn zu viele tolle Erlebnisse: „Vor unserem ersten Heimspiel gegen Dynamo Dresden habe ich dem mir persönlich damals noch unbekannten Präsidenten einen Brief geschrieben. Ihn und die Dynamo-Anhänger nach dem Motto willkommen geheißen: „Wir freuen uns auf die gelbe Wand.“ Die Folge war für alle überwältigend: „Wir hatten eine sagenhafte Stimmung in diesem Spiel. Daraus entstand eine echte Fan-Gemeinschaft.“ Und mit Dresdens Präsident Andreas Ritter verbindet ihn längst eine Männerfreundschaft.

    Der Aufstieg in die Dritte Bundesliga 2014 in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg II bleibt für Benignus aus zweierlei Hinsicht unvergessen. Zum einen machte der 1:0-Auswärtssieg den sensationellen Sprung in die Drittklassigkeit perfekt, zum anderen gab’s für ihn eine Wertschätzung der besonderen Art. Etwa eine Stunde nach dem Abpfiff wollten Spieler den Platz verlassen. Der Rasen war übersät mit Sektflaschen, Bierflaschen und Kronkorken. Die Fußballer marschierten bereits Richtung Kabine. „Da habe ich einen Pfiff rausgelassen und das Team zurückbeordert. Und die Kicker kamen“, so Benignus, der eine klare Ansage machte: „So wollen wir den Platz nicht verlassen.“ – Und die Fußballer sammelten ohne Murren sämtlichen Unrat vom Grün auf. 

    Diese Aktion macht den 67-Jährigen noch heute stolz. Ebenso die Reaktion des VfL Wolfsburg, der die Aufräumarbeit der Schwaben mitbekommen hatte. „VfL-Manager Klaus Allofs hat sich später schriftlich dafür bedankt“, freut sich der SG-Präsident über die Wertschätzung des Bundesligisten.

    Mehr Wertschätzung in der Gesellschaft und Respekt vor dem Ehrenamt durch Kommunen und Politik wünscht sich Werner Benignus. Er will keinen Rummel, eher kürzertreten. Dafür tritt er in die Pedale: Zuletzt fuhr er im Alleingang mit dem Fahrrad von Sulzbach an der Murr nach Bozen in Italien. 

    Jürgen Klein