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    Heilbare Demenz: Der Normaldruck- Hydrozephalus

    Vortrag über ein verkanntes Problem von Prof. h.c. Dr. Klaus D.M. Resch

    Dienstag 30. Januar 2018, Seniorenzentrum Haus Miriam in Waiblingen, Begegnungsstätte: „Älter werden im Stadtteil“, eine Initiative in Waiblingen Süd, hatte eingeladen. „Die einzige heilbare Form der Demenz“, ein Vortrag des Neurochirurgen Prof. h.c. Dr. Klaus D.M. Resch stand auf dem Programm. 

    Niemand hatte mit einem solchen Ansturm gerechnet. Schon 30 Minuten vor Beginn waren sämtliche Sitzplätze belegt. Nur Dank den Bemühungen des Einrichtungsleiters Sixt-Rummel und seines Teams erhielten schließlich auch die vielen, bis noch kurz vor Beginn der Veranstaltung eintreffenden Besucher, durch rasch organisierte Stühle einen Sitzplatz, bis schließlich nichts mehr ging, weil der Raum randvoll war. Etliche Nachzügler mussten sich mit Stehplätzen entlang der Wände zufrieden geben.

    Hoch konzentriert und mucksmäuschenstill folgte das Auditorium eine gute Stunde lang der faszinierenden Präsentation des Professors, der sich, vollkommen frei sprechend, in Wort und Darstellung, vollständig auf seine Zuhörerschaft eingestellt hatte.

    Entsprechend frenetisch war am Ende der Applaus. Prof. Resch wurde mit Fragen bestürmt.

    Was konnte man mitnehmen aus der reichen Fülle an Informationen, aus Inhaltlichem, Neuem, Wissenswertem, Anatomischem, Medizinischem und auch Gesundheitspolitischem? 

    Unter Verwendung von CT- und MRT- Aufnahmen des Gehirns, endoskopischen Aufnahmen oder kurzen Videosequenzen nahm Prof. Resch seine Zuhörer mit auf einen fesselnden Streifzug durch die Strukturen des Gehirns, führte ein in eine uns unbekannte und doch aufregend schöne Welt, in die er sich schon bei seiner ersten Begegnung „vor hundert Jahren verliebt“ hatte, wie er schmunzeln gestand. Anhand dieser Bilder zeigte er auf eindrückliche Weise, wie sich das Hirnwasser darstellt, wie man den Wasserkopf „Hydrozephalus“, eine krankhafte Ansammlung des Hirnwassers, erkennt, wo das Hirnwasser normalerweise abfließen sollte und weshalb es nicht abfließen kann. 

    Trotz eines Normaldrucks im Gehirn, erklärt er, entstehen so sehr belastende, krankhafte Symptome. Diese äußern sich in einer demenziellen Veränderung des Betroffenen, einem stark veränderten Gangbild mit kleinen Trippelschritten, ähnlich denen Parkinson-Erkrankter und in der nicht nur die Betroffenen selbst belastenden Wasserlass-Störung. Diese Erkrankung, der Normaldruck Hydrozephalus, betrifft vorwiegend die ältere Patientenschaft und führt zu einem sehr hohen Leidensdruck.

    Auf leicht verstehbare, immer auch unterhaltsame Weise, erklärte Prof. Resch Phänomene, die zu dieser Erkrankung beitragen. In lustigen Cartoons, mit selbstironischen Anmerkungen oder durch kleinere Anekdoten aufgelockert, brachte Prof. Resch die Zuhörer immer wieder zum Lachen. „Den Liquor hat der liebe Gott erfunden, damit das Herz das Gehirn nicht umbringt“. Dieses flapsige Bonmot klärte die Frage, wofür das Hirnwasser notwendig ist und war zugleich ein wirksamer Hinweis auf dessen enorme Bedeutung.

    Ernüchternd für das Auditorium waren die Ausführungen über die Schwierigkeiten bei der Diagnostik dieser Erkrankung. Viele andere Erkrankungen produzieren gleiche oder ähnliche Symptome. Häufig leiden Patienten unter mehreren Erkrankungen, was eine eindeutige Zuordnung nicht eben leicht macht. Er ermunterte Betroffene und deren Angehörige, dennoch die Zeit einer Abklärung durchzuhalten und sich bei einem Verdacht, es könnte sich um einen Normaldruck-Hydrozephalus handeln, nicht so leicht abweisen zu lassen. 

    „Obwohl der Normaldruck-Hydrozephalus zu den häufigen Alterserkrankungen gehört und obwohl diese Erkrankung gut zu erkennen ist, erhalten nur 20% der Patienten, die daran leiden letztlich die Therapie, eine typische Umgangsweise unserer Gesellschaft mit alten Menschen. Das Leid aber, das hervorgerufen wird, ist unermesslich... und manchmal ist ein Arztwechsel die Diagnose.“

    Mit der sich anschließenden Gegenüberstellung der beiden heute möglichen Therapien, verdeutlichte Prof. Resch die hohen Hürden, die Patienten zudem überwinden müssen und sie bei einer notwendigen Entscheidung ohne kompetente Unterstützung überfordern: die „Shunt-Therapie“ versus endoskopischem Verfahren der „Ventrikolo-Zisternostomie“.

    Die sehr teure Shunt Therapie ist bei uns die Regel. Es handelt sich dabei um ein Schlauch-Ventil System. Als Ableitung wird es unter die Haut implantiert und führt das Hirnwasser ab in den Bauchraum. Das Ventil (Shunt) ist meist von außen justierbar, verstopft aber immer wieder, muss nachjustiert oder neu eingesetzt werden und verursacht zum Teil schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Die Komplikationsrate dieses Systems liegt bei 30-50%, das zehnfache der üblicherweise akzeptierten Komplikationsrate in der Neurochirurgie.

    Die Ventrikolo-Zisternostomie ist die sehr viel kostengünstigere und im Langzeitverlauf die weit weniger komplikationsanfällige Methode. Es handelt sich dabei um eine Innenableitung des Hirnwassers ohne Implantation von Fremdmaterial. Der Eingriff wird endoskopisch und damit sehr schonend durchgeführt.

    Leider wird diese Methode in Deutschland nur selten angeboten, berichtet Professor Resch bedauernd, ist aber in ärmeren Ländern, schon allein aus Kostengründen, die Therapie der Wahl. Deshalb gibt es in Europa immer weniger erfahrene Neurochirurgen auf diesem Gebiet.

    Das macht nachdenklich und man stellt sich unweigerlich die Frage, weshalb Patienten in unserem reichen Land schlechter versorgt werden!

    „Die Verantwortung für die Gesundheit liegt aber zunächst bei jedem Patient selbst. Aufklärung über ein verkanntes Problem ist der Anfang.“ Mit diesem Fazit entlässt Prof. Resch das Publikum aus seiner hoch spannenden Welt. 

    Heide Roesler