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    Altersmedizin: Viel getan, viel muss noch getan werden

    KSR-Führungsteam informierte sich über die Rems-Murr-Kliniken Winnenden und Schorndorf

    Wenn der Weg das Ziel ist, ist die Geriatrie mit einem Marathonlauf zu vergleichen. Die Altersmedizin als Dauerlauf, der Durchhaltevermögen mit einer gehörigen Portion Kampfgeist erfordert. Das Erreichen von Etappenzielen macht immer wieder Mut. Das Rems-Murr-Klinikum Winnenden hat sich im Bereich der Geriatrie stark weiterentwickelt, wobei der Kreisseniorenrat (KSR) Rems-Murr gerade mit dem Neubau im Schelmenholz immer wieder Verbesserungen angemahnt und gefordert hat. 

     

    Obwohl einige KSR-Führungskräfte, wie die Vorsitzende Waltraud Bühl, ihr Stellvertreter Roland Schlichenmaier, Schriftführer Gerhard Dannwolf, Karl-Heinz Pscheidl sowie Heidrun Klemke, seit vielen Jahren aktiv sind, zeigten sie sich von einer Aussage überrascht. „Schon 1997 wurde mit dem Thema Geriatrie angefangen“, erklärte Mathias Hahn. Seit dieser Zeit beschäftigt sich der Mediziner mit diesem immer mehr an Bedeutung gewinnenden Thema. Er hat sich stark dafür engagiert, dass das Krankenhaus in Schorndorf zu einem Schwerpunkt für dieses Fachgebiet geworden ist. 

     

    Vor Ort im Klinikum Winnenden informierte sich jüngst der KSR-Vorstand durch Vorträge und einem Rundgang zum standortübergreifenden geriatrischen Angebot der beiden Kliniken. Das Fazit: Viel wurde getan, viel ist noch zu tun. Die wichtigsten Fakten sind vor allem, dass seit 2015 unter der Leitung von Ellada Heidebrecht, Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Geriatrie, das Angebot in der Altersmedizin am Rems-Murr-Klinikum Winnenden in einer eigenen Abteilung gebündelt werden. 

    Für die Oberärztin ist jedoch ebenso wichtig, dass möglichst alle Fachrichtungen, angefangen von der Chirurgie bis zur inneren Abteilung, im regen Austausch stehen. Dazu zählt für Ellada Heidebrecht beispielsweise möglichst frühe Rehabilitationsmaßnahmen der Patienten noch während des stationären Krankenhausaufenthaltes mit einem Therapeuten. 

    „Mit der geriatrischen Frührehabilitation, der Akut-Geriatrie sowie der Erweiterung des geriatrischen Schwerpunkts in Schorndorf sind wir für die Bedürfnisse der Senioren besonders gut aufgestellt“, meint die Klinikleiterin Claudia Bauer-Rabe. Sie verweist auf derzeit 60 Betten, wenn auch 120 wünschenswert wären. Schmunzelnd gleich angefügt: „Wir arbeiten daran.“ Doch Spitzenmedizin allein reiche nicht aus. Kompetentes Pflegepersonal werde dringend gebraucht. Deshalb wird der pflegerische Nachwuchs auch geriatrisch ausgebildet. Seit 2016 gilt das Klinikum Winnenden als „Lehrkrankenhaus der Uni Tübingen“, worauf mit Stolz hingewiesen wird. 

    Für Dr. Marc Nickel, dem Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, ist die neue Geriatriestation in Schorndorf für rund 1,3 Millionen Euro ein „Schmuckstück“. Mit einer Wohlfühloase oder einem Luxushotel wird’s allerdings auch in Schorndorf nichts. Die Geriatrie stellt harte Anforderungen. Gerade Mathias Hahn kann ein Lied davon singen. Er ist Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Klinische Geriatrie und seit 2010 leitender Arzt des interdisziplinären Schwerpunktes für Altersmedizin. Immer mehr Aufgaben kommen dazu, müssen im Interesse des Erkrankten koordiniert werden. Gegebenenfalls muss beispielsweise noch ein Logopäde eingeschaltet werden. Und wenn’s bei einem Patienten erforderlich ist, auch ein Mitarbeiter eines Sozialdienstes.

    Ein Thema ist den Vertretern des Kreisseniorenrates und den Verantwortlichen der Rems-Murr-Kliniken gleichermaßen wichtig: Eine bessere und stärkere Kommunikation zwischen den niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern. „Die Hausärzte weisen die Patienten zu wenig und dann oftmals zu spät ein“, kritisierte die KSR-Vorsitzende Waltraud Bühl. Dem wollte niemand widersprechen. Mit Einladungen zu Beratungsgesprächen und Veranstaltungen zu verschiedenen Themen suchen die Mediziner der Rems-Murr-Kliniken eine engere und vertrauensvollere Art der Zusammenarbeit mit den Hausärzten zu erreichen.

    Das Thema Gesundheit und Rems-Murr-Kliniken ist ein schwieriges. Darauf hatte Landrat Dr. Richard Sigel schon bei der Begrüßung hingewiesen. Rote Zahlen tragen nicht zur Besserung bei. Allein für den Umbau der Notaufnahme sei ein Betrag von einer Million Euro notwendig gewesen. Bei dem Rundgang durch die Klinik in Winnenden mit Besichtigung eben dieser Notaufnahme zeigte sich den Mitgliedern des Kreisseniorenrates schnell, dass die Maßnahme aus Gründen der Praktikabilität erfolgen musste.

    Wenn der Weg das Ziel ist, ist (auch) die Geriatrie noch lange nicht auf der Zielgeraden. Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit sind weiter gefragt. Das ist auch dem KSR-Führungsteam bewusst. Denn das Thema Altersdemenz gewinnt gleichfalls immer mehr an Bedeutung. 

    Jürgen Klein