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    „Auch mal unbequem werden, das dient der Sache“

    Als designierter neuer Vorsitzender des Landesseniorenrats baut der Schorndorfer Karl-Otto Völker auf Erfahrung

    Er kennt das Geschäft. Trotzdem ist Karl-Otto Völker anders als manche Funktionäre, die mit vielen Worthülsen nichts (aus-)sagen. Klare Frage. Klare Antwort. Wenn’s der Sache dienlich ist, will er sich gelegentlich nicht festnageln lassen. Diplomatie wird das genannt, besser passt bei ihm Fingerspitzengefühl. Beides, die klare Kante und ein gewisses Taktieren, wird der gebürtige Schorndorfer weiterhin brauchen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass der 71-Jährige in den nächsten Jahren den Landesseniorenrat Baden Württemberg führen wird.

    Seniorenarbeit, besser Seniorenpolitik und Präsentation, sind kein Neuland für den großgewachsenen Schwaben. Vielmehr kann er dabei auf einen großen Erfahrungsschatz bauen. 46 Jahre war Völker bei der AOK für den Bereich Medien und Marketing zuständig. Zudem gestaltete der Vater zweier erwachsener Söhne als Stadtrat 38 Jahre die Kommunalpolitik seiner Heimatstadt mit. Trotz der oft konsequenten Art war er auch als SPD-Fraktionsvorsitzender zu Kompromissen bereit, wenn’s der Sache diente. Respekt hat sich Völker damit erarbeitet. Aus dem Stadtrat hat er sich vergangenes Jahr verabschiedet, mit ein bisschen Wehmut. Doch ohne Traurigkeit. Dafür nimmt der Sozialdemokrat viele Erfahrungen mit: „Denn in der Kommunalpolitik spielen die Seniorenfragen schon immer eine wichtige Rolle.“ 

     


    Seit November 2013 ist Karl-Otto Völker unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Landesseniorenrats. Seit 2016 gehört er dem Beirat des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung sowie dem Landespflegeausschuss in Baden-Württemberg an. – Warum das alles? „Für mich ist das Ehrenamt keine Last, sondern eine Lust. Wenn’s keine Lust ist, kann ich’s bleiben lassen. Die ehrenamtliche Arbeit hat zudem mein Leben bereichert. Deshalb bin ich auch bereit für den Vorsitz des Landesseniorenrats zu kandidieren.“

    Das Amt als Frühstücksdirektor zu führen will er trotz seiner 71 Jahre keinesfalls. Vielmehr hält Völker die ältere Generation für einen im Halbschlaf befindlichen Riesen: „Die Senioren sind politisch und wirtschaftlich eine Macht. Das muss allen bewusst werden.“ Dass Bereiche wie Pflege oder Rente – „das Thema steigende Mietpreise will man wohl gar nicht nicht sehen“ – beim zurückliegenden Bundestagswahlkampf kaum zum tragen kamen, fuchst ihn gewaltig: „Die Senioren entscheiden Wahlen.“ Wahlrecht gilt für ältere Menschen oft als Wahlpflicht. 

    Auf die Politik kommt neben dem demografischen Wandel eine weitere Lawine zu. „Die Altersarmut in Deutschland wird die nächste ältere Generation spüren“, ist sich der Schorndorfer sicher. Für ihn ist klar, dass die Weichen schon jetzt gestellt werden müssen: „Die Kommunen sind gefordert zu reagieren. Die Menschen leben im Ort, brauchen hier Unterstützung.“ Städte- und Gemeinden müssten Land und Bund den nötigen Druck machen, um Unterstützung zur Unterstützung zu bekommen, eben um diese weitergeben zu können. 

    Deshalb wird die Aufgabe der Seniorenräte immer wichtiger. „Es kann nicht sein, dass wir bei 1.100 Kommunen um Land nur 170 Seniorenvertretungen in den Gemeinden und Städten haben“, sieht der 71-Jährige ausbaufähige Möglichkeit. Gleichfalls will er die Kommunikation fördern: „Wir brauchen den Austausch. Ich muss wissen welche Themen vor Ort brennen. Deshalb ist der Kontakt mit der neuen Kreisseniorenratsvorsitzenden im Rems-Murr-Kreis Waltraut Bühl wichtig. Ich brauche da die nötigen Informationen.“ 

    Durchaus mal unbequem werden, das dient der Sache. „Für eine Geriatrieabteilung im Winnender Krankenhaus hat der Kreisseniorenrat richtig Druck gemacht und tut das weiterhin. Dieses Thema ist auch für das Schorndorfer Krankenhaus von Bedeutung“, mein Völker und schiebt nach: „Auf das Problem Demenzpatienten ist noch gar niemand vorbereitet. Da muss dringend etwas geschehen.“

    Herausforderungen bis zum unüberwindlichen Berg aufzubauen ist jedoch nicht sein Ding. Realistisch bleiben, abwägen und dann anpacken. Das tun, was man für richtig und wichtig hält. Jammern geht gar nicht. Sein Leitspruch dafür: „Alle wollen lange leben, aber keiner will alt werden.“ 

    Der eigenen Überzeugung folgen. Tut er. Als Gottlieb Daimler mit Frack und Melone. Bei Stadtführungen, die schon legendär sind. Damit wird er kürzer treten müssen. Gerade wenn er sein Amt als Landesvorsitzender der Senioren antritt. Schorndorf wird trotzdem weiterhin einen Gottlieb Daimler als Vertreter haben. Zwei Doubel mit Frack und Melone hat Karl-Otto Völker bereits „angelernt“. – Schließlich kennt der 71-Jährige auch dieses Geschäft bestens. 

    Jürgen Klein 

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