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    Zahlen sind nicht immer zum Spielen geeignet

    Satire von Jürgen Klein

    Ich bin kein Zahlen-Mensch. In Mathe war der Limes eben ein römischer Grenzwall und dabei ist es geblieben. Andererseits kann ich heute noch Zinsrechnung im Dreisatz ohne Taschenrechner. 

    Zugeben muss ich, die Zahlen haben es in sich. Vor allem, wenn das unbekannte „es“ mit Geld zu tun hat. Geld und Gehälter. Dabei meine ich nicht den finanziellen Wahnsinn im Sport, egal ob Fußball oder Formel 1. – Darüber regen sich die Menschen ja noch auf. Und wenn’s sein muss, über den Platzwart, Verzeihung: Greenkeeper, oder den Busfahrer, wenn der Uli Hoeneß Würstchen aus Ulm eingekauft hat.

     

    Lapidar werden einem in den Zeitungen die Zahlen um die Ohren gehauen, wie: „43 Millionen für Europas bestbezahlten Banker“. Der eigentliche Skandal dabei: „Der Topverdiener in Deutschland kassierte 2015 fast 14 Millionen Euro“. – Das muss man sich einmal Vorstellen: Wir Deutschen stehen in einer solchen Statistik hinten an. Gelten damit als Armenhaus in Europa. – Eine Schande. Als wenn wir uns solche Typen nicht leisten könnten. Und wo arbeiten die Topverdiener der allseits beliebten Branche: Ausgerechnet in Großbritannien. Da bleibt nur eins: Hoffentlich tritt die Higher­class von der Insel bald mal wieder auf dem grünen Rasen im Elfmeterschießen gegen Jogis Jungs an.

    Andere Zahlenspiele rufen bei mir so viel Freude hervor wie der anstehende Besuch beim Zahnarzt: In Deutschland würden 36 Milliardäre so viel besitzen wie die ärmste Hälfte der Bundesbevölkerung – das hat die Entwicklungsorganisation Oxfam bekannt gegeben. 

    Nur kein Neid. Die Zahlen lassen sich toppen. Laut Oxfam haben die acht reichsten Milliardäre weltweit mehr Kapital angehäuft als den ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung zur Verfügung steht. 

    Übrigens hat Oxfam diese Zahlen beim Weltwirtschaftsforum in Davos bekannt gegeben, einer weltbekannten Hochburg des internationalen Finanzwesens!

    Nehmen wir mal die 36 Milliardäre in diesem unserem Lande. Wenn diese Gruppe dieser, sagen wir mal Besserverdienenden, beispielsweise nur fünf Prozent vom Zinsgewinn, nicht vom Kapital, abgeben würde, hätte die Bevölkerung einige Sorgen weniger. – Die Möglichkeiten dazu gibt’s, doch entsprechende Gesetze müssten im Bundestag beschlossen werden.

    Andere Zahlenbeispiele gefällig. Laut dem statistischen Bundesamt wird der Anteil von Pflegebedürftigen, die zu Hause betreut werden, immer größer. Etwa 73 Prozent aller Empfänger von Geldern der Pflegeversicherung, das sind weit über zwei Millionen Menschen, bleiben in den eigenen Wohnungen. Obwohl immer mehr Menschen als Singles allein leben. Das liegt sicher nicht allein am Pizza-Dienst. Ambulante Pflege ist das Zauberwort. 

    Andere Zahlenbeispiele aus dem Alltag: Die Flexi-Rente. Wer seine vorgezogene Rente bisher mit einem 450-Euro-Job aufgebessert hat, kann künftig 525 Euro im Monat erarbeiten. Bei dem Minijob ließen sich viele von der Sozialversicherung befreien, was bei einem Zuverdienst von monatlich 525 Euro nicht mehr möglich ist. Damit sind alle Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zu berappen. Toll: Unabhängig, ob der Hinzuverdienst von 6300 Euro in einem Monat oder in zwölf Monaten verdient wird. – Wer mehr verdient, dem werden 40 Prozent des darüber hinaus erzielten Verdienstes von der Rente abgezogen.

    Wie wir jetzt von Milliardären auf die Pflegebedürftigen und Rentner kommen, weiß ich auch nicht genau. Wie gesagt, so toll war ich in Mathe nicht. – Dafür war ich in anderen Fächern besser. Was eine Solidargemeinschaft ist, habe ich schon früh begriffen. Nur diskutiert darüber niemand. 

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