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    Als Schaffer einfach eine ehrliche Haut geblieben

    Auenwälder Eugen Holzwarth ist in vielfältiger Weise ehrenamtlich aktiv – Mit Bundesverdienstkreuz geehrt

    Sie grüßen ihn meist mit „Hallo Eugen“, egal ob sechs oder sechzig Jahre alt. Eugen freut sich drüber. Er empfindet es nicht als respektlos, wenn ihn Kinder oder Jugendliche mit seinem Vornamen ansprechen. Im Gegenteil. Der 70-Jährige wertet das als Anerkennung. Alt werden ist eine Sache, sich alt zu fühlen ist für ihn eine ganz andere. Dazu ist er in seiner Heimatgemeinde Auenwald und im Rems-Murr-Kreis viel zu aktiv und zu bekannt.

    Alle Ehrenämter, die er in den vielen Jahrzehnten ausgefüllt hat, fallen ihm selbst kaum ein. Er ist ein Schaffer, kein Rethoriker. Anpacken und Umsetzen. Basta. Wenn er sich zu Wort meldet, geht’s um die Sache. Dabei riskiert er verstanden zu werden: Holzwarth spricht klare Worte. Schnörkellos steuert er sein Ziel an, ist trotzdem keiner der mit dem Kopf durch die Wand will: „Kompromisse müssen sein, um etwas zu erreichen.“ Das zeichnet ihn seit rund 25 Jahren im Gemeinderat aus. Er macht bei der Bürgerlichen Wählervereinigung aktiv Kommunalpolitik. Als CDU-Mitglied, der er seit ebenfalls 25 Jahren angehört. Mit dem Parteibuch hat er es nicht so, dem klaren Menschenverstand fühlt er sich verpflichtet. Das gilt ebenfalls im Evangelischen Kirchengemeinderat seiner Gemeinde, dem er seit 1971 angehört. Er ist als Mesner, quasi als Hausmeister, zusätzlich im Einsatz. Seit über 50 Jahren gehört er dem Musikverein Oberbrüden an.

    Engagiert und mit dem  Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet:  Der 70-jährige Eugen Holzwarth.
    Engagiert und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet: Der 70-jährige Eugen Holzwarth.

    Acht Jahre als Schöffe am Landgericht in Stuttgart kommen dazu. Momentan ist der Auenwälder zudem Ersatzschöffe am Amtsgericht in Backnang. – Die Reihe der Ehrenämter ließ sich noch weiter fortsetzen. Das allerdings würde Eugen Holzwarth nicht gerecht. Er ist keiner, der Posten sammelt. Eine Idee nur anschieben, dann andere den Karren ziehen lassen, ist nicht sein Ding: „Halbe Sachen machen, das geht nicht.“ Wenn der 70-Jährige etwas beginnt, dann bringt er es auch zu Ende. Dabei hat er schon früh eine wichtige Erfahrung gemacht: „Du musst ehrlich mit den Leuten umgehen, jeden respektieren.“

    Eugen Holzwart ist das, was man allgemein „eine ehrliche Haut“ nennt. Er nennt Misstände beim Namen, ohne zu verletzen: „Die Leute rennen doch nicht mit geschlossenen Augen durch Auenwald, sehen doch auch in der Kirchengemeinde die Probleme.“ Genauso verhält er sich, sieht die Schwierigkeiten. Beispielsweise: „Junge Leute, die sich in der Kirche, der Gemeinde, in den Vereinen oder der Kommunalpolitik engagieren werden insgesamt weniger. Da müssen wir uns alle Gedanken machen, wie wir gerade junge Menschen aktivieren können. Unsere Gesellschaft braucht das Ehrenamt.“

    Ein Grund, warum der Eugen sich im Sport engagiert, seit 1973 Jugendleiter des TSV Oberbrüden ist. Der Vater von zwei erwachsenen Söhnen, verheiratet seit 1967 mit Rosemarie, liebt die Beständigkeit. Das zieht sich durch sein Leben. Als Maler wechselte er aus der freien Wirtschaft zum Bauhof nach Backnang. Auch wenn er finanzielle Einbußen hinnehmen musste. Sicherheit und Beständigkeit gingen vor. Er sah in Backnang Oberbürgermeister und Bürgermeister kommen und gehen. In seiner Heimatgemeinde wechselten die Schultes. Eugen Holzwarth ist dagegen eine beständige Größe.

    Ein passendes Beispiel ist der Sportkreis Rems-Murr. Seit 1975 ist er hier aktiv. Auch als die Haare weniger und der Vollbart dichter wurde, übernahm Holzwart zwölf Jahre die Leitung der Sportkreisjugend: „Es war halt keiner da der das machen wollte.“ Wollen wollte auch er nicht unbedingt. Doch einer musste die Verantwortung übernehmen. Pflichterfüllung. Dass heute das Zeltlager Salbengehren in neuem Glanz dasteht und nicht vor über 20 Jahren dem Bagger zum Opfer fiel, daran hat der Auenwälder seinen Anteil. Wenn jemand im Sportkreis gebraucht um ein paar Worte bei einem Vereinsjubiläum zu sprechen oder Ehrungen vorzunehmen, der Eugen hilft aus, springt ein. Ohne sich zu zieren. „Manchmal ist’s auch mir zu viel“, lacht er: „Ich bin ja nicht mehr der Jüngste.“ Dabei ist er ein gern gesehener Gast bei den Vereinen, der nicht viele Worte macht. Was er sagt kommt ehrlich rüber, nicht rethorisch geschliffen. Das kommt an. Er spricht ihre Sprache.

    Sein „ehrlich sein“, eben nicht groß zu taktieren, hat ihm Respekt eingebracht. Er will Lösungen, geht Kompromisse ein: „Ich bin auch nicht mit allem einverstanden. Auch nicht mit dem was in Kirche, Politik oder Sport ‚von oben’ kommt. Doch wir sollten das Beste daraus machen.“ Groß gegen Beschlüsse aufzubegehren, ist nicht sein Ding: „Doch in Gesprächen lässt sich vieles regeln.“

    Diese Gespräche fehlen ihm im Zeitalter der Computer, „die sicherlich viele Erleichterung bringen und uns manche Aufgaben abnehmen.“ Einem wie ihm geht jedoch dabei der persönliche Kontakt verloren, ein Stück Menschlichkeit: „Oft haben wir früher untereinander telefoniert und uns getroffen, auch mal abends. Jeder kannte jeden noch persönlich. Heute geht fast alles über Email oder Handy, manche haben sogar feste ‚Sprechstunden’ am Computer.“ Der Auenwälder akzeptiert dies, schließlich geht’s um die Aufgabe und die Vereine oder Organisationen. So sucht er nun nach 43 Jahren einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin als Jugendleiter beim TSV Oberbrüden. – Ach ja, das Weissacher-Tal-Pokal der Kicker wäre ohne den Einsatz des 70-Jährigen längst eingeschlafen.

    Ehrungen hat er für sein Engagement reichlich abgeräumt, in Sport und Politik. Dass er nun Anfang November sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat macht ihn stolz, ist einem Schaffer wie ihn fast schon ein bischen peinlich. – Jedoch freut er sich in Auenwald oder Umgebung weiter auf jedes „Hallo, Servus oder Grüß Gott – Eugen“. 

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