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    Zusammenleben ist mehr als eine Zweckgemeinschaft

    Mut für neue Aktivität und Kreativität finden – Gedanken für ein gesundes Altwerden

    © pixabay.com
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    Eigentlich sollte der Artikel unter dem Gesichtspunkt „Sexualität im Alter“ geschrieben werden. Ein Thema, das sicher interessant ist und trotz aller Freizügigkeit in Magazinen und Fernsehen zum Tabu zählt, wenn man „es“ selbst tut. Verständlich. Jeder will seinen intimen Bereich möglichst schützen, möglichst wenig davon preisgeben. Doch wofür gibt’s den „Onkel Google“ und die sogenannten „sozialen Netzwerke“ samt seltsamen Geschichten. – Am Ende gab’s doch ein Happy-End im Internet: „15 Regeln für gesundes Älterwerden“ wurden gefunden.


    Doch der Reihe nach. Sexualität im Alter. Da gibt’s die Möglichkeit der Straßenumfrage, die Informationen von Ärzten und Psychologen. Broschüren jede Menge. Von Praline über Bunte bis zur Apotheken-Umschau. Mehr oder weniger Aufregend oder seriös. Erlahmende Manneskraft oder steigende Lustlosigkeit bei den Frauen – jeder Fachmann/Fachfrau hat eine Anregung oder sogar eine Lösung parat. 

    Fakt ist: Einsamkeit tut nicht gut. Zu zweit – und doch alleine, das belastet auf Dauer jede Beziehung schwer. „Mehr miteinander reden. Die eigenen Vorstellungen dem Partner mitteilen. Alles damit dieser besser weiß, was der andere wünscht.“ Das empfehlen durchweg alle Experten. Beileibe nicht nur alle Fachleute auf sexuellem Gebiet. Doch genau da liegt oftmals das Problem: Im miteinander reden, eigene Interessen kundtun und gemeinsam etwas unternehmen. – Im alltäglichen Leben. Im sogenannten Alltag. Für viele schon schwer genug oder sogar zu schwer. Ein oftmals Jahrzehnte langes Zusammenleben ist Gewohnheit geworden.

    Allerdings: Das Zusammenleben ist mehr als eine Zweckgemeinschaft. Ein Ausbrechen aus diesen alten Gewohnheiten ist wichtig. Mal andere Wege gehen, mal andere Klamotten kaufen, mal anders sein – so wie man sich gerade fühlt. Eben mal den eigenen Gefühlen und Wünschen folgen und diese Ausleben, als immer brav dem alten Trott folgen.

    Das kostet Mut und Kraft, mobilisiert jedoch Geist und Körper. Neugierig und aktiv sein, auch im Alter. Selbstbestimmung statt Eintönigkeit oder gar Bevormundung. Eigenwillig sein.

    Dazu gehört auch die Zärtlichkeit, die körperliche Nähe und eben auch Sexualität.

    Zufriedenheit im Leben, das zählt. Der Sechser im Lotto ist pures Glück, Zufall. Zum Glücklichsein kann dagegen jeder aktiv etwas beitragen.

    Wie schon erwähnt. Das Internet hat viel parat und bietet vielfältige Hilfestellungen. Wie die „Regeln für gesundes Älterwerden“. Diese wurden von Prof. Dr. Andreas Kruse, Heidelberg, im Auftrag der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. anlässlich des Weltgesundheitstages 1999 „Aktiv leben – gesund alt werden“ entwickelt. – Der Begriff „Regeln“ hat jedoch etwas aufgezwungenes, bringt etwas Unfreies mit sich. Daher ist das Wort „Regeln“ nachfolgend durch „Gedanken“ ersetzt worden. 


    1. Gedanke: Seien Sie in allen Lebensaltern körperlich, geistig und sozial aktiv

    Suchen Sie nach Aufgaben, die Sie ansprechen und herausfordern. Beachten Sie, dass Sie durch Ihr Verhalten schon in jungen Jahren entscheidend dazu beitragen, ob Sie ein hohes Alter bei erhaltener Gesundheit, Aktivität und Selbstständigkeit erreichen.


    2. Gedanke: Leben Sie in allen Lebensaltern gesundheitsbewusst

    Achten Sie also auf ausreichende Bewegung und ausgewogene Ernährung, vermeiden. Sie Nikotin und andere Suchtmittel, gehen Sie verantwortlich mit Alkohol und Medikamenten um und versuchen Sie, langanhaltende körperliche und seelische Überlastungen zu vermeiden.


    3. Gedanke: Nutzen Sie Vorsorgemaßnahmen

    So können drohende Krankheiten frühzeitig erkannt und eine Behandlung rechtzeitig eingeleitet werden. Ergreifen Sie selbst die Initiative und sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, was Sie für die Erhaltung Ihrer Gesundheit tun und auf welche Weise Sie zu einem gesunden Altwerden beitragen können.


    4. Gedanke: Es ist nie zu spät, den eigenen Lebensstil zu verändern

    Man kann in jedem Alter anfangen, ein gesundheitsbewusstes und körperlich, geistig sowie sozial aktives Leben zu führen. Durch die positive Veränderung des Lebensstils können Sie auf bereits eingetretene Risikofaktoren – wie zum Beispiel Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Übergewicht – einwirken und deren schädliche Einflüsse auf das Alter verringern.


    5. Gedanke: Bereiten Sie sich auf Ihr Alter vor

    Setzen Sie sich rechtzeitig mit der Frage auseinander, wie Sie Ihr Leben im Alter gestalten möchten. Bereiten Sie sich gedanklich auf Veränderungen in Ihrem Leben, beispielsweise auf den Berufsaustritt, vor. Fragen Sie sich, mit welchen Chancen und Anforderungen diese Veränderungen verbunden sind und wie Sie diese nutzen beziehungsweise wie Sie auf diese antworten können.


    6. Gedanke: Nutzen Sie freie Zeit, um Neues zu lernen

    Setzen Sie körperliche, geistige und soziale Aktivitäten, die Sie in früheren Lebensjahren entwickelt haben, auch im Alter fort. Fragen Sie sich, inwieweit Sie im Alter daran anknüpfen möchten. Nutzen Sie die freie Zeit im Alter, um Neues zu lernen. Sie können auch im Alter Gedächtnis und Denken trainieren. Setzen Sie sich bewusst mit Entwicklungen in Ihrer Umwelt, wie im Bereich der Technik, der Medien, des Verkehrs, auseinander und fragen Sie sich, wie Sie diese Entwicklungen für sich selbst nutzen können.


    7. Gedanke: Bleiben Sie auch im Alter offen für positive Ereignisse und neue Erfahrungen

    Bewahren Sie die Fähigkeit, sich an schönen Dingen im Alltag zu erfreuen. Beachten Sie, dass Sie sich bei aktiver Lebensführung und positiver Lebenseinstellung gesünder fühlen. Wenn Sie eine persönlich ansprechende Aufgabe gefunden haben, wenn Sie sich an schönen Dingen im Alltag freuen können und wenn Sie in belastenden Situationen nicht resignieren, dann bleibt auch Ihr gesundheitliches Wohlbefinden eher erhalten.


    8. Gedanke: Begreifen Sie das Alter als Chance

    Begreifen Sie das Alter als eine Lebensphase, in der Sie sich weiterentwickeln können. Sie können Ihre Fertigkeiten und Interessen erweitern, Sie können zu neuen Einsichten und zu einem reiferen Umgang mit Anforderungen des Lebens finden. Beachten Sie, dass Sie sich auch in der Auseinandersetzung mit Belastungen und Konflikten weiterentwickeln können.


    9. Gedanke: Pflegen Sie auch im Alter Kontakte

    Beschränken Sie sich nicht alleine auf die Familie, sondern denken Sie auch an Nachbarn, Freunde und Bekannte. Bedenken Sie, dass auch der Kontakt mit jüngeren Menschen Möglichkeiten zu gegenseitiger Anregung und Bereicherung bietet.


    10. Gedanke: Geben Sie der Zärtlichkeit eine Chance

    Eine Partnerschaft, in der beide Partner Zärtlichkeit, körperliche Nähe und Sexualität genießen, trägt zur Zufriedenheit und zu körperlichem Wohlbefinden bei. Lassen Sie sich nicht durch jene Menschen verunsichern, die meinen, dass Alter und Zärtlichkeit oder Alter und Sexualität nicht zusammenpassen.


    11. Gedanke: Trauen Sie Ihrem Körper etwas zu

    Treiben Sie Sport und bewegen Sie sich ausreichend, ohne sich zu überfordern. Sie erhalten damit Ihre körperliche Leistungsfähigkeit. Sie tragen dazu bei, dass Ihr Stütz- und Bewegungssystem elastisch und kräftig bleibt. Sie spüren Ihren Körper auf angenehme Art und Weise. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Art des körperlichen Trainings für Sie die richtige ist.


    12. Gedanke: Gesundheit ist keine Frage des Alters

    Fragen Sie sich deshalb immer wieder, was Sie tun können, um im Alter Ihre Gesundheit, Selbstständigkeit und Selbstverantwortung zu erhalten. Beachten Sie: Allein des Alters wegen büßen wir nicht die Gesundheit sowie die Fähigkeit zur selbstständigen und selbstverantwortlichen Lebensführung ein.


    13. Gedanke: Nehmen Sie Krankheiten nicht einfach hin

    Wenn Erkrankungen auftreten, so wenden Sie sich an Ihren Arzt. Auch im Falle einer chronischen Erkrankung ist der regelmäßige Besuch der ärztlichen Sprechstunde notwendig. Beachten Sie, dass Ihnen bei Einbußen des Seh- und Hörvermögens geholfen werden kann. Nehmen Sie auch diese nicht einfach hin. Sprechen Sie vielmehr mit Ihrem Arzt über bestehende Hilfsmittel und nutzen Sie diese, wenn sie verordnet werden. Wenn Sie durch Erkrankungen in Ihrer Selbstständigkeit beeinträchtigt sind, erweist sich eine Rehabilitation oft als sinnvoll und notwendig. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die möglichen Rehabilitationserfolge in Ihrem speziellen Fall. Bedenken Sie, dass die Rehabilitation nur erfolgreich sein kann, wenn Sie selbst alles tun, um Ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen.


    14. Gedanke: Suchen Sie nach guter Hilfe und Pflege

    Wenn Sie hilfsbedürftig oder pflegebedürftig geworden sind, so suchen Sie nach Möglichkeiten einer guten Hilfe und Pflege. Achten Sie darauf, dass Ihnen durch die Hilfe und Pflege nicht Selbstständigkeit und Selbstverantwortung genommen, sondern dass diese erhalten und gefördert werden. Falls Sie von Ihren Angehörigen betreut werden, so achten Sie darauf, dass diese nicht überfordert werden und ausreichend Unterstützung erhalten.


    15. Gedanke: Haben Sie Mut zur Selbstständigkeit

    In belastenden Situationen sollten Sie sich fragen, wie Sie mit dieser Belastung am besten fertig werden, was Ihnen gut tun könnte, mit welchen Menschen Sie zusammen sein möchten, wie Ihnen diese helfen können und wann Ihnen die Hilfe anderer zu viel ist. Wenn Sie Hilfe benötigen, so trauen Sie sich, um Hilfe zu bitten. Haben Sie aber auch den Mut, Hilfe abzulehnen, wenn Sie sich durch diese in Ihrer Selbstständigkeit zu stark eingeschränkt sehen. 

    Jürgen Klein/Gedanken: Prof. Dr. Andreas Kruse

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