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    Trotz Demenzkrankheit die Lebensqualität erhalten

    Fachberatungsstelle im Landratsamt in Waiblingen kann verschiedene Wege aufzeigen und Tipps geben

    Engagiert in der Demenzfachberatung  im Landratsamt Waiblingen (von links): Thomas Herrmann und Monika Amann.
    Engagiert in der Demenzfachberatung im Landratsamt Waiblingen (von links): Thomas Herrmann und Monika Amann.

    Demenz ist nicht gesellschaftsfähig. Noch nicht. Allein der demografische Wandel wird jedoch für ein Umdenken sorgen. Eine der bekanntesten Form ist die Alzheimer-Krankheit, von der es wiederum 40 verschiedene Arten gibt. Fakt ist längst: Demenz trifft nicht nur die ältere Generation. Auch jungen Menschen werden vom „Krebs des Geistes“ heimgesucht. Leiterin Monika Amann und Pflegewissenschaftler Thomas Herrmann von der Demenzfachberatung im Landratsamt Rems-Murr blicken dabei sorgenvoll in die Zukunft: Ein rasanter Anstieg der Krankheit scheint unausweichlich. Hilfe tut Not.

    Natürlich werden Statistiken angelegt. 2015 leiden 1,4 Millionen Menschen allein an Alzheimer. Deren Zahl dürfte sich bis 2050 verdoppelt haben. – Und wie gesagt: Alzheimer ist nur einer der vielen Formen von Demenz. Allerdings hat diese mathematische Rechnung eine gravierende Unbekannte. „Niemand kennt die Dunkelziffer der Demenzkranken“, meint Thomas Herrmann: „Und die dürfte ziemlich hoch sein.“ Mit dem oft schleichenden Prozess einer Demenzerkrankung umzugehen, ist schwierig. Noch schwieriger ist der erste Schritt: Das Eingestehen und Akzeptieren dieses Schicksalsschlages. – Bleibt die manchmal lähmende Frage: Wie damit umgehen. 

    Seit 2002 gibt es diese Anlaufstelle Demenzfachberatung im Haus des Landratsamtes in Waiblingen. Die Zahl der „Kundschaft“ wächst ebenso wie die Vielschichtigkeit der Herausforderungen. Diese Anlaufstelle arbeitet unabhängig von Kostenträgern des Gesundheitssystems. In enger Kooperation mit der Altenhilfefachberatung ist die Demenzfachberatung mit der Geriatrieplanung im Rems-Murr-Kreis beauftragt. Der Einzelkämpfer tut sich schwer. Die Gemeinsamkeit macht auch hier stark. Gestoppt werden kann die Demenz nicht, das Voranschreiten allerdings verlangsamt werden. Prävention ist das Stichwort für Monika Amann: Ob Sport oder Gesprächsrunden. Geist und Körper müssen weiter gefordert und gefördert werden. „Eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten gibt dem Einzelnen mehr Kraft. Ebenso der Kontakt zu anderen Menschen“, betont die 55-Jährige, die zugleich Vorsitzende des Fördervereins Demenz im Rems-Murr-Kreis ist. 

    Nicht ins Schneckenhaus zurückziehen, sondern aktiv bleiben. Leichter gesagt wie getan. Das Schamgefühl ist nicht nur bei den Betroffenen oftmal groß, ebenso bei den Angehörigen. Vom Verlust an Lebensqualität sind beide Seiten betroffen. „Wir sind gewohnt, setzen praktisch voraus, dass der Mensch immer funktioniert. Das ist der Anspruch an uns selbst und an unser Umfeld“, erklärt Pflegewissenschaftler Herrmann und warnt vor Vereinsamung. Gerade bei älteren Menschen. Der 47-Jährige fordert zu mehr Offenheit und Mut mit dem Umgang der Krankheit auf. Menschen mit Demenz sollen möglichst lange selbstbestimmt in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teilhaben können. „Ganz schlimm ist es natürlich, wenn beispielsweise ein junger Familienvater oder eine junge Mutter aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben ausscheiden müssen. Da geht die absolute Existenzangst um“, kennt Thomas Herrmann ganz harte Schicksale.

    Die Demenzfachberatung im Landratsamt kann auf Erfahrungen zurückgreifen und Versorgungslücken möglichst schließen. Dabei geht es nicht allein um finanzielle Unterstützungen, sondern darum Wege aufzuzeigen. Beispielsweise wenn eine Familie die Eltern oder einen Elternteil privat zu Hause pflegt, jedoch selbst mal eine Auszeit benötigt. Oder bauliche Umänderungen in der Wohnung oder Haushaltsauflösungen und Heimeinzug anstehen. „Jüngere Menschen sind oft ratlos was sie tun können, um ihren Eltern zu helfen“, sagt Monika Amann und hat dafür absolut Verständnis: „Das ist keine einfache Situation. Und jede Krankheit verläuft individuell.“ Deshalb gibt’s keine Patentlösungen: „Im ländlichen Raum ist es natürlich schwierig, ein Netz an sozialen Kontakten zu knüpften.“ 

    Ehrenamtliche engagierte Mitmenschen sind deshalb eine große Hilfe. Gerade wenn sie an Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen. „Ein solcher Einsatz sollte in unserer Gesellschaft mehr Wertschätzung genießen“, meint Amann, die auch Verwaltungen, Gemeinden und Kommunen mehr in der Verantwortung sieht. Pflegeheime zu bauen oder Pflegedienst zu unterstützen reicht längst nicht mehr aus. Die Kreis-, Stadt- und Ortsseniorenräte sind beim Thema Demenz gleichfalls gefordert. Eine Versorgungsstruktur für jede Lebensphase muss geschaffen werden.

    Lebensqualität zu erhalten ist die Herausforderung. Monika Amann und Thomas Herrmann von der Demenzfachberatung im Landratsamt Rems-Murr können dabei helfen. 

    Jürgen Klein


    Weitere Infos:

    www.rems-Murr-kreis.de, - Stichwort Demenzfachberatung oder bei Monika Amann 

    unter der Rufnummer 0 71 51 – 501-1180.

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