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    Klabautermann und der Kompass von Käpt’n Jack 

    Das Klinikum Winnenden und der VfB Stuttgart haben viel gemeinsam: Beide erheben den Anspruch, erstklassig zu sein. Beide fühlen sich bei diesem Streben nicht nur verkannt, sondern zu weit Höherem berufen. Beide betonen, die Weichen für den mittelfristigen Erfolg gestellt zu haben. Beide fühlen sich eigentlich fehlerlos. Und wenn schon: Beide haben bereits personelle Neubesetzungen vorgenommen und werden dies auch in naher Zukunft weiter tun.

    Bei den leidgeprüften Fans des Bundesligisten mit dem roten Brustring ist Ex-Manager Fredi Bobic so beliebt wie Teufelskraut. Der einstige Cheftrainer Armin Veh fand schon im vergangenen Jahr die Autobahnauffahrt Richtung München über Augsburg als einzigen Ausweg. Ex-Klinikchef in Winnenden Jürgen Winter warf das Handtuch, hatte zuletzt mehr Prügel als Joe Frazier gegen Muhammed Ali kassiert. Nur Landrat Johannes Fuchs spielt weiter den Kasper in der Winnender Puppenkiste, hat auch allen Grund dafür: Er verabschiedet sich in den kommenden Monaten ins Privatleben.

    Beide zusammen sind echte Vorbilder: Der VfB Stuttgart beweist seit Jahren, wie ein Verein viel Geld falsch investieren und rote Zahlen schreiben kann. Und damit den sportlichen Niedergang aus eigener Kraft herbei führt. Beim Klinikum Winnenden wurde ebenfalls falsch investiert, ein Fass, sprich: Sumpfgelände, ohne Boden aufgemacht. Kompetenz in der Führungsspitze: Wie bei Bill Bo und seiner Bande aus der Puppenkiste. 

    Ach so, noch eins: Ruhe bewahren ist beim VfB und dem Klinikum das Gebot der Monate, Jahre. Gestern standen wir mit einem Fuß über dem Abgrund: Heute sind wir einen Schritt weiter.

    Ups, beinahe vergessen: Probleme und Unruhe werden nur von außen herangetragen. 

    Wehe, wenn Angestellte in den Medien und in der Öffentlichkeit aufbegehren. Eklige Nestbeschmutzer. Wer muckt, wird abgewatscht. Egal ob VfB oder Klinik. Wir sind ein Team. Wobei die Führungsetage in der Limousine sitzt, den Kurs vorgibt und das Personal den Karren ziehen muss. Jedoch scheinen die Steuermänner in den Kompass von Kapitän Jack Sparrow von der Black Pearl aus dem Film Fluch der Karibik (selbst-)verliebt zu sein. – Auf jeden Fall lecken beide Schiffe ganz gewaltig, wobei kein klarer Kurs in Sicht ist. Nebel, Nebel überall – und wir haben nichts zu sagen. 

    Andererseits: Der Kapitän geht von Bord. Ganz legal. Landrat Johannes Fuchs, der alte Klabautermann, wird noch mit allen Ehren- und Ordenzeichen verabschiedet. So wie Schauspieler Johnny Depp als Jack Sparrow zu Beginn des Films, als sein Schiff absäuft. Der allerdings ging zumindest als Letzter von Bord.

    Frisurstarke Edelkicker mit furchterregenden Tatoos bilden den Kern der Crew, Piraten sind nicht darunter. Fakt ist: Besser ist beim VfB eine Neuverpflichtung nicht geworden. Und im Klinikum mögen die Beschäftigungszahlen statistisch stimmen, die Realität sieht aber anders aus.

    Die ru(h)mreiche Führungscrew wird’s schon richten. Ein Grund zum Feiern. Und wenn’s auf der Intensivstation ist. Angekommen sind da das Klinikum Winnenden und der VfB Stuttgart schon längst. 

    Jürgen Klein

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