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    Sinneserlebnis „weiterweg“

    weiterweg
    © weiterweg.info

    Im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, versteckt im Privatwald der Graf von Pückler und Limpurg'schen Wohltätigkeitssstiftung, finden wir einen Walderlebnispfad der ganz besonderen Art, den „weiterweg“. Er vereint in sich Kunst, Lebensweisheit, Meditation, Besinnung und christliche Impulse. Was hier die Stiftung mit dem Tübinger Künstler Martin Burchard zusammen geschaffen hat, ist wirklich einmalig. Wer diesen Rundwanderweg einmal bewusst gegangen ist, kommt garantiert wieder. Der „weiterweg“ ist ein „entschleunigtes“ Projekt, er ist immer da. Der Besucher kann jederzeit wieder kommen und den Genuss von Neuem erleben.

    Den Initiatoren war es wichtig, dass jeder dieses Erlebnis genießen kann, was mit 3 Wegführungen erreicht wurde: Rundwanderweg, Kinderwagenweg und der Weg für Menschen mit Einschränkungen treffen an den einzelnen Stationen immer wieder zusammen. Der Rundwanderweg als längste Strecke ist ca. 5 km lang. Es ist empfehlenswert 3 bis 4 Stunden Zeit einzuplanen, um eine wirklich intensive Besichtigung der einzelnen Stationen vornehmen zu können. Alles vergessen, den Alltag, die Arbeit, die Sorgen, einfach alles, um sich auf die Natur, die Stille, die Lebensweisheiten und die christlichen Impulse einzulassen. 


    An 10 Stationen soll der Besucher dazu inspiriert werden über zentrale Fragen des Lebens nachzudenken. Die Wege dazwischen sind einmal breiter und dann wieder schmal. Sie sollen unser Augenmerk bewusst auf die Natur lenken, die hier einzigartig ist.

    Alle Stationen sind nach dem gleichen Prinzip aufgebaut, einem sinnvollen Kunstwerk, einem Lebensweisheitstext und einem christlichen Impuls. Sie haben die Wahl, welchem Element Sie besondere Aufmerksamkeit schenken möchten. Es sind auf jeden Fall immer Situationen und Themen aus dem täglichen Leben. Alle Kunstwerke und Texte sind gut verständlich aufgebaut. Sie möchten den Besuchern helfen, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.


    Gleich bei der ersten Station „Durchblick 1“ geht es darum, uns den Durchblick für das Wesentliche zu geben. Viele kleine, farbige Fenster sind verlockend, doch der große Ausblick in der Mitte zeigt uns das wichtigste Kunstwerk, das der „weiterweg“ zu bieten hat, die Natur. Schon zu Beginn lässt es sich wundervoll meditieren. Sie sehen Bäume und Sträucher, die mitten im schwäbisch-fränkischen Wald stehen, in Baden-Württemberg, in Deutschland, in Europa, auf der Erde. Diese Erde dreht sich um sich selbst und rast mit großem Tempo durch das Weltall. Da erkennen wir: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ 

    Schon die zweite Station, das „Tal der Stille“, ist eine Herausforderung. Zwei kurze Stichwege führen zu 2 Plätzen zwischen den Bächen. Hier herrscht absolute Ruhe, die Bäche plätschern leise vor sich hin, Libellen tanzen, auf den Wasserspiegeln hüpfen Wasserflöhe. Mose, Gräser und die Wurzeln der Bäume wölben den Boden. Sitzplätze laden zum Verweilen ein, hier kann man meditieren, die Natur und ihre Stille fühlen, die Augen schließen und den eigenen Atem spüren. Aber auch sich besinnen, einkehren, abspannen und aus dieser Stille neue Hoffnung schöpfen, die Hoffnung aus dem Druck von Hektik und Stress herauszukommen; einfach zu sich selbst zu finden. 

    Wehe dem, der nicht mehr in der Lage ist Stille zu genießen, zu ertragen, sie zu suchen und umzukehren. 


    Der „Große Tisch des Friedens“ ist als dritte Station der Platz der Gemeinschaft und des friedlichen Miteinanders. Dieser, aus einem einzigen Stamm einer Douglasie hergestellte Tisch von 16 Metern, bietet Platz für 55 Besucher und verknüpft die Einladung zum gemeinsamen Mahl. Hier können Sie Ihr Vesper auspacken und eventuell mit anderen teilen oder austauschen. Hier haben wir bei unseren vielen Besuchen schon die schönsten Begegnungen erlebt.. Es ist aber auch der Tisch des Friedens, hier können Friedensgespräche geführt werden, auch mit sich selbst. Es wäre vielleicht ein guter Tisch für manche Politiker in der heutigen Zeit.


    Die vierte Station wird in zwei Sinnbilder geteilt. Zunächst betreten wir den „engen Weg“. Aus vielen Baumstämmen errichtet markieren sie einen Weg, der unten sehr breit ist und nach oben eng wird. Der Blick nach oben wird behindert. Wie fühlen wir uns bei dieser Enge? Beschäftigen wir uns ständig   nur mit uns selbst? Müssen wir unseren Kopf einziehen und gebeugt durchs Leben gehen, weil wir nichts anderes sehen?


    Beim zweiten Sinnbild, dem „weiten Weg“ ist es umgekehrt. Es sind Balken in gleicher Anzahl und Größe, aber der Weg ist unten eng und wird nach oben weit. Fühlen wir uns jetzt freier? Gehen wir mit den gleichen Gedanken jetzt gelassener um, sind wir ausgeglichener? Profitieren wir vom offenen Blick nach oben? 


    Schon nach ein paar Minuten wird die fünfte Station „Der Teich“ erreicht. Es ist ein rein natürliches Kunstwerk, denn er ist Sinnbild für ein Leben in Balance. Ein kleiner Bach als Zulauf und ein Abfluss halten den Teich im Gleichgewicht, sonst kippt er um. So ist es auch im Leben, es muss immer eine Balance zwischen Geben und Nehmen sein. So bleiben wir in Bewegung. Unser eigener „Lebensteich“ kann nur so im Gleichgewicht bleiben.


    Über einen kleinen Seitenweg, der einen wundervollen Blick über das vom großen Sturm Lothar geschädigten Waldtal freigibt, kommen wir zur sechsten Station, dem „Ring der Dunkelheit“. Täglich erleben wir das Wechselspiel von Tag und Nacht, von Licht und Dunkelheit; aber auch von Freud und Leid. Durch irgendein Ereignis fühlen wir uns plötzlich gefangen, von Ängsten, von Verzweiflung. Wir finden keinen Durchblick, wir sind eingekreist, um uns ist alles Dunkelheit. Dieser Ring der Dunkelheit erinnert Christen auch an Karfreitag.


    Zum Glück ist auf der anderen Wegseite die Station sieben, die „Himmelsleiter“. Hier stehen verschieden große Kreuze in unterschiedlich leuchtenden Farben. Direkt davorstehend ist nur ein Kreuz erkennbar. Schon bei einem Schritt seitwärts wirken die Kreuze mit ihren fröhlichen Farben wie eine aufsteigende Leiter gen Himmel, es geht aufwärts. Schöpfen wir neuen Mut für unsere eigenen bunten Lebenspläne, trotz aller Durchkreuzungen? Hier ist für Christen das Zeichen für Ostern, der Auferstehung und damit der Gegenpol zum Karfreitag.


    Die achte Station beinhaltet wieder zwei Kunstwerke mit gleichem Sinngehalt. „Leitplanken des Lebens“ sind Grundlage unseres Zusammenseins. Wie soll Gemeinschaft gelingen, wenn wir uns nicht an klare Regeln halten. Das hat der Künstler sehr treffend dargestellt. Entlang einer kleinen Abzweigung vom Rundwanderweg weisen Tafeln auf die 10 Gebote in Kurzform hin, während auf dem inneren Platz verbeulte Leitplanken platziert sind, die uns schützen. Sie erinnern daran, dass diese, zum Beispiel an den Rändern von Passstraßen, große Unfälle verhindern. Sie sind verbeult, verkratzt und stark verformt, aber sie haben Leben gerettet, sie haben Menschen vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt. So sollten auch wir uns an Spielregeln halten, denn Regeln sind die Lebensgrundlage einer Gesellschaft, wer diese nicht anerkennt zerstört unsere Gemeinschaft.


    „Durchblick 2“ will uns zu einem Rückblick animieren. Hat sich unser Durchblick verändert? Nehmen wir für unseren ganz persönlicher Weiterweg neue Erkenntnisse mit? Hat diese Wanderung uns unsere Sinne geschärft, unsere Augen geöffnet und neue Wege aufgezeichnet? 


    Meine Frau und ich haben diesen Wanderweg schon mehrfach mit verschiedenen Gruppen und persönlichen Gästen besucht und kommen immer mit neuen Eindrücken und Ansichten zurück. Interessant ist auch, dass die unterschiedlichsten Menschen immer von diesem Besinnungsweg beeindruckt und tief bewegt waren. Hinweisen muss ich noch darauf, dass es absichtlich aus Sicherheitsgründen keinen Grillplatz im Wald gibt. Dafür lädt der „Große Tisch des Friedens“ dazu ein, sich durch das mitgebrachte Vesper zu stärken. Probieren Sie diesen „weiterweg“, lassen Sie sich darauf ein, es ist Natur pur. Es lohnt sich auf jeden Fall. (Horst Rauhut)

    Infos

    Graf von Pückler und Limpurg‘sche

    Wohltätigkeitsstiftung

    Graf-Pückler-Straße 19

    74405 Gaildorf

    Telefon: 07971 / 9533-0

    www.weiterweg.info

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