Schriftgröße A+ A-

    Pfarrer Dr. Ingo Sperl: »Dem Tod bereits mehrfach von der Schippe gesprungen«

    Sein Buch »In Teufels Küche. Leben mit einer chronischen Krankheit und ihren Folgen« steht für das Leben

    Dem Tod ist Dr. Ingo Sperl „bereits mehrfach von der Schippe gesprungen“. Der Tod ist für ihn ein kleiner Kobold der immer wieder an seine Tür klopft, jedoch erfolgreich abgewiesen wird. Bisher. Angst vor dem Sterben hat der 63-Jährige Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Oberbrüden-Unterbrüden nicht. Er ist mit sich im Reinen, obwohl er seit 40 Jahren alles andere als gesund ist. Mit einem Buch hat sich Sperl viel Erleichterung verschafft. Der Titel passt zu dem Mann, der sich nicht unterkriegen lässt. Im ersten Anschein allerdings nicht unbedingt mit seinem Beruf als Seelsorger: „In Teufels Küche. Leben mit einer chronischen Krankheit und ihren Folgen“. 

    Pfarrer Dr. Ingo Sperl

    Er kommt langsam zur Tür und öffnet. Ein Mann mit freundlichem Gesicht, wenigen Haaren, umrahmt von einem weißen Vollbart. „Ich muss langsam machen“, meint er nach einem freundlichen Gruß. Klingt nicht wie eine Entschuldigung. Eher wie eine Feststellung. Seit seiner Zeit als Student leidet Ingo Sperl an chronischem Asthma. Also seit über 40 Jahren. „Eine Strafe Gottes? Und warum gerade ich?“ – Fragen, die der heutige Pfarrer längst für sich beantwortet. Mit einer Gegenfrage: „Und warum nicht ich?“ Eine theologische Diskussion fängt Sperl darüber aber erst gar nicht an. Er findet deutliche Worte: „Manchmal geht’s mir schon beschissen.“ Trotzdem ist er kein Griesgram: „Es gibt auch Tage die gut sind und ich meine Seelsorge machen kann.“ 

    Seelsorge machen. Ingo Sperl hat durch die Jahrzehnte langen Schmerzen und Einschränkungen „einen anderen Blickwinkel auf das Leben gewonnen“. Er habe dabei Zeit „zum Reflektieren“ und „an mehr Sensibilität“ gewonnen. Es gibt andere, leichtere Wege dafür, als Krankheiten die sich durch sein Leben ziehen. Die Zeit der Pein durch offene Beine, mit Schmerzen die fast unerträglich waren. Vor allem in den nicht enden wollenden Nächten. Er nahm viele Arzneien, darunter Cortison. – Plötzlich heilten die Beine, die Qual hatte ein Ende. Den genauen Grund dafür weiß bis heute niemand.

    In der Stimme des heute 63-Jährige ist bei diesem Thema eine Anspannung zu spüren, zugleich auch Festigkeit. Krankheit und Tod sind ihm nicht fremd, nie fremd gewesen. Sperl hat als Altenheimseelsorger sowie als Trauer- und Sterbebegleiter gearbeitet. Seinen Doktortitel hat er in Volkskunde abgelegt, Thema: Rumänische Totenklagen. – Lieber hätte der Auenwälder jedoch Architektur studiert, kreativ gestaltet. 

    Stattdessen musste sich Ingo Sperl vor wenigen Jahren einer komplizierten Krebs-Operation unterziehen, lag wochenlang in Reutlingen und Backnang im Krankenhaus, ehe die langwierige Rehabilitation in Durbach folgte. Wieder gab’s viele Medikamente, darunter wieder Cortison. Dabei machten die Ärzte auch klar: „Wenn Sie von dem Kortison nicht wegkommen, kommen Sie wegen den Nebenwirkungen in Teufels Küche.“ – „Und damit stand der Titel für mein Buch fest“, kann der 63-Jährige heute darüber schmunzeln. Denn er hatte damals viel Zeit, ließ sein Leben Revue passieren: „Eine Menge ging mir durch den Kopf. Und dann habe ich 2013 in nur drei Wochen das Buch runter geschrieben.“

    Den Anspruch eines literarischen Meisterwerk für die Ewigkeit, das war und ist nicht sein Ziel: „Ich habe vielmehr viele Geschichten und Gedanken aus meinem Leben aufgeschrieben. Das, was ich erlebt und gefühlt habe. Wie sich mein Freundeskreis geändert hat. Wie ich mich geändert habe. Die Spannungen innerhalb der Familie durch meine Krankheiten, die jeden getroffen haben. Jedoch auch die Möglichkeiten was hätte sein können, wenn ich nicht krank geworden wäre.“ Krank ist er jedoch. Im Mai des vergangenen Jahres hat ihn seine Frau, eine Ärztin, wiederbeleben können. Die Gefahr des Sterbens besteht immer, belastet seine Frau, die Stieftochter sowie den Sohn. Der Zusammenhalt ist vielleicht deshalb stark. Dankbar ist er für jede Stunde.

    Und Ingo Sperl hat noch viel vor. Beispielsweise eine Chronik der Familie zu schreiben, die über den Erdball verstreut ist. Viel Material dafür hat der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Oberbrüden-Unterbrüden bereits gesammelt. Beruflich wird er nicht „in Teufels Küche“ kommen, im Sommer winkt der Ruhestand. Trotz der chronischen Krankheit und ihren Folgen wird’s wohl ein gesunder Unruhestand werden. (Jürgen Klein)

    Kommentar schreiben

    Kommentare: 2
    • #1

      warstat (Montag, 02 März 2015 18:19)

      Gruss Hermann und Sylvia

    • #2

      Yun Kennerson (Freitag, 03 Februar 2017 16:06)


      Howdy! This is my 1st comment here so I just wanted to give a quick shout out and say I truly enjoy reading through your blog posts. Can you recommend any other blogs/websites/forums that deal with the same topics? Appreciate it!