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    »Die da oben machen doch was sie wollen.«

    Das mit der Satire ist so eine Sache. Manchmal ist die Realität nicht mehr zu steigern. Allerdings muss einem diese Tatsache erst klar werden. Warum? – Weil wir uns an zu vielen haarsträubenden vermeidlichen Tatsachen gewöhnt haben. Glauben Sie nicht?

    Ich beweise es Ihnen. Viele politische Diskussionen enden trotz aller Kritikpunkte mit den beiden Sätzen: „Daran können wir doch nichts machen. Die da oben machen doch, was sie wollen.“

    Wie deppert sind wir eigentlich. Pegida-Anhänger lamentieren in Dresden – und schaffen’s bis in die Tagesschau und auf die Titelseite der Bild.

    Die Schafherde Deutschland glotzt – ein paar bösartige Schwarze blöken und bekommen ungeteilte Aufmerksamkeit. Und werden noch von einem Hammel angeführt, der selbst auf die Schlachtbank gehört! Lutz Bachmann. 17.000 Menschen gingen am 25. Januar in Dresden auf die Straße – mit vollem Medienprogramm. – Das Ergötzen am Fernseher und in den Gazetten war groß.

    Dieser Bachmann gilt laut Wikipedia als Initiator und Organisator des Demonstrationsbündnisses Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA). Er ist durch zahlreiche unterschiedliche Straftaten (unter anderem Körperverletzung, Einbruch und Diebstahl) mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten und wurde unter anderem 1998 zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Kurz nach der Verurteilung entzog er sich jedoch der Justiz und flüchtete nach Südafrika, wo er zwei Jahre lang unter falschem Namen lebte, aber schließlich von der Einwanderungsbehörde identifiziert und nach Deutschland abgeschoben wurde

    Nach 14-monatiger Haft in der JVA Dresden wurde er vorzeitig auf Bewährung entlassen. 2008 wurden bei ihm 40 Gramm Kokain und ein weiteres Mal 54 Gramm gefunden. Dieser Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung, die im Februar 2015 ausläuft, geahndet. Im Mai 2014 wurde Bachmann vom Amtsgericht Dresden zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt, weil er keinen Unterhalt für seinen Sohn gezahlt hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung haben Berufung eingelegt. Darüber entscheidet das Landgericht Dresden ab dem 18. März 2015. 

    Verbrecher Bachmann, der wegen eines im Internet verbreiteten „Hitler-Portraits“ von ihm selbst und ausländerfeindlicher Äußerungen als Vereinsvorsitzender zurückgetreten war, trat zuletzt wieder ins Rampenlicht – und verteidigte seine umstrittenen Bemerkungen. – Er scheißt auf demokratische (Menschen-)Rechte. Außer wenn er sie für sich ausnützen kann. 

    Lutz Bachmann schüttet weiter seine braune Kotze aus. – Und bekommt nicht nur Gehör, sondern auch genügend Aufmerksamkeit, die Nazis für Propaganda schon immer brauchten. 

    Die bösartigen schwarzen Schafen beweisen der Herde jedoch eins: Wer den Arsch hochkriegt, bewegt etwas. 

    Apathisch blöken reicht nicht. Ein guter Hirte schert seine Schafe, zieht ihnen aber nicht das Fell über die Ohren. CDU und CSU, SPD und Grüne und auch die Linke scheint’s stillschweigend zu dulden: Der Solidaritätszuschlag wird nach dem Auslaufen 2019 zur Regelsteuer.  

    Lieber über die schwarze Null bei Finanzminister Schäuble gejubelt, statt sich gegen die Steuererhöhung zu wehren: „Daran können wir doch nichts machen. Die da oben machen doch was sie wollen.“

    Rottenführer Lutz Bachmann und seine Nazi-Schergen lassen grüßen. (Jürgen Klein)

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