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    Weihnachts- und Neujahrsansprache

    Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

    „wieder ist ein Jahr vollbracht und wieder wurde nur Mist gemacht…“ – so einfach ist das nun auch wieder nicht.

    Wir haben verurteilt und geholfen – wo es sich lohnt.

    Nehmen wir doch beispielsweise die Flüchtlinge, die unser Land regelrecht überfluten. Nun meckern die Leute, was das alles kostet. Dabei hätten die doch nur in der Schule beim Einmaleins aufpassen müssen: Deutschland ist der drittgrößte Waffenlieferant der Welt. Die Menschen laufen also nur vor dem Geballer und den Einschlägen unserer Kugeln, Granaten und Bomben davon, die wir anderen Ländern verkloppen. Dass diese, natürlich demokratischen Staaten, manche Ballermänner an böse Jungs verkaufen, ist nicht zu ändern. Schließlich dürfen wir ja laut geltendem Recht gar nicht in Krisengebieten liefern. Ausgediente Polizeifahrzeuge, wie Wasserwerfer oder Tränengasfahrzeuge, ausgenommen. Doch wenn man die Kosten für diese paar Hanseln von Flüchtlingen mit den Milliardengewinnen der Wirtschaft gegenrechnet, dann passt doch alles. Schließlich haben wir noch genügend leer stehende Kasernen. 

    Außerdem: Humanität gefällt, lässt sich weltweit vermarkten und ist gut für unser Image. Wir haben ja das Pulver nicht erfunden, uns gehören nur die Fabriken. Und wir brauchen Pulver. Der Fuhrpark unserer eigenen Bundeswehr ähnelt dem Zustand der Bundesbahn: Vielfach völlig veraltet, nicht einsatzfähig oder unpünktlich. Selbst das Personal schwächelt. 

    Wenn unsrem Land schon die Facharbeiter fehlen, haben wir auf dem Rüstungssektor im Verkauf absolute Fachleute. Die haben’s sogar geschafft, den Pleite-Griechen noch U-Boote zu verkaufen. Die werden ja deshalb auch von uns finanziell unterstützt, die Griechen, damit sie zahlungsfähig bleiben. So ähnlich funktioniert auch die Unterstützung vieler anderer Länder. Wir schmeißen unser Geld schon nicht zum Fenster raus. Und wenn, dann nur hier im Land. Doch auch dann immer mit Verstand: Die Milliardenkosten für Berlin samt Flughafen sichern ebenso Arbeitsplätze wie der Bau des Kleinbahnhofs in Stuttgart. – Das ist aktive Wirtschaftsförderung, die der Bürger deutlich spürt. Einschließlich das neue Krankenhaus in Winnenden, wenn das auch nur ein Kleckerlesbetrag ist.

    Flüchtlinge, Einwanderer, Ausländer – Freunde. Wir brauchen euch wie Steuerparadiese in der Schweiz und Luxemburg. Doch weil die, wie schon gesagt, nicht Rechnen können, gibt’s so Dumpfbacken wie die AfD. Diese Alternative für Deutschland und die ehemaligen Reps – da hast du die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber dieses braune Gesockse tut ja nichts, will ja nur spielen. Wie jüngst in Köln. Da nannten sie sich Hooligans, die bisher als unterbelichtete und gewaltbreite Krawallmacher in Stadien bekannt sind. Die pfiffigen Experten des Verfassungsschutzes hatten in ihrer unglaublichen Weitsicht schon erkannt, dass es bei „Einzelpersonen“ dieser sogenannten Hooligans Überschneidungen zu Neonazis gibt. Klasse Arbeit: Rund 4000 dieser Einzelpersonen trafen sich in „Kölle“ warfen mit Steinen und Knallkörper auf Polizisten und grölten schwachsinnige Nazi-Parolen. Den geistigen Tieffliegern ist Türke oder Salafist egal. Platt ist platt. Echt krass. – Stoppt diese Neonazis: Sie rütteln am Wohlstand unserer Gesellschaft. Wir brauchen Flüchtlinge!

    Schließlich sind wir eine Solidargemeinschaft. Solidarität unter den bürgerlichen Steuerzahlern, das lobe ich mir. Milliarden an Steuergelder an den Fiskus vorbei zu schleusen ist nicht gemein, sondern die Kosten trägt die Gemeinschaft. Warum? Weil wir es so wollen. Recht muss Recht bleiben. Wer es sich leisten kann, völlig legal seine Millionen- oder Milliardengewinne so lange zu verschieben bis er in Luxemburg unter einem Prozent Steuern zahlt, ist doch kein Wirtschaftsflüchtling. Recht muss Recht bleiben. Weil keiner gegen dieses Recht und diese Politik aufbegehrt.

    Dabei gibt es dieses Jahr so viel Böses auf der Welt. Wenn ich da nur an die Virusinfektion Ebola danke. Diese Meldungen sind schockierend. Schon fast 5000 Tote. Wir schicken jedoch Hilfsmittel und leisten finanzielle Unterstützung. Eine echte Beruhigung für das Gewissen. Wir tun was. Und endlich lohnt sich für die Pharmaindustrie die Entwicklung eines Impfstoffes.

    Dass pro Tag (!) 10.000 Kinder erbärmlich verrecken, weil verhungern, ist kein Aufregen mehr wert, weil längst selbstverständlich.

    Deutschland hilft wo es sich lohnt.

    Auch im kommenden Jahr geht’s weiter aufwärts mit der Wirtschaft: Nahrungsmittel und Wasser werden heiße Spekulationsobjekte an der Börse. – Keine Angst: Deutschland ist dabei – wo es sich lohnt. Ich bin doch nicht blöd. Was sind da schon 10.000 tote Kinder. Ach ja, pro Tag. (Jürgen Klein)

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