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    Wiedererkennung ist gewünscht

    Ist das Lesen der kurzen Geschichten nun ein reines Vergnügen oder eher nicht? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Diese Antwort wäre eher Wasser auf die Mühlen des Autors Reinhard Wick, würde genau zu seinen Schilderungen in den verschiedenen Kurzgeschichten passen, die eigentlich Banales erzählen: Nicht viel Nachdenken über die Alltäglichkeiten, laufen lassen. Einfach im Strom der Masse wie gewohnt mit-„denken“, Oberflächlichkeiten und Worthülsen über sich ergehen lassen. – Das was jeder kennt, jedoch kaum noch tatsächlich und bewusst wahr nimmt. Gewohnheit eben.

     


    „Wenn es einem reicht … – … muss man noch lange nicht genug haben“, heißt der Titel und die S-Bahn auf dem Umschlag zeigt, woher der Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in Weissach im Tal die Anregungen und Inhalte für seine Geschichten bezieht. Der 56-Jährige gebürtige Nürnberger, den es über München aus beruflichen Gründen ins Schwabenland verschlug, schildert kleine Ereignisse, eigene Beobachtungen oder aufgeschnappte Gespräche von Mitreisenden; Geschehnisse, über die nicht mehr nachgedacht wird und die dadurch ihre Aussagekraft und auch menschliche Werte verlieren.


    Dass Reinhard Wick als Pastor und systemischer Therapeut mit der Sprache umgehen kann, ist in jeder Zeile zu spüren. Nicht Besserwisserei, vielmehr der Hang zur Satire und Selbstironie des Autors machen das kleine Buch lesenswert. Der Spiegel, den er dem Leser vorhält, ist deshalb nicht bösartig. Die Texte sind fast schon nett geschrieben, bringen dabei zum Nachdenken, weil ein Wiedererkennungswert zwangsläufig gegeben ist. Angefangen von Äußerlichkeiten, dem „Fregattenalarm“ über „Männer im Anzug“ bis zur schwäbischen Story „Roedes Hemd“. | Jürgen Klein

    Titel: Wenn es einem reicht … – … muss man noch lange nicht genug haben.
    Autor: Reinhard Wick
    Taschenbuch mit Umschlag, 51 Seiten
    Verlag: projekte-verlag
    ISBN: 978-3-86237-266-9
    Preis: 8,50 Euro

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