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    Ein dummer Boxer, das geht gar nicht

    Für Wladislav Baryshnik bleibt Olympia in Rio das große Ziel

    Selbstbewusst wirkt der junge Mann. Cool wird ein solches Auftreten heute genannt. Doch gibt sich Wladislav Baryshnik nicht nur so. Er ist es. Der 16-jährige Schüler strahlt eine erstaunliche Ruhe und Zuversicht aus, sagt klar was er will: „Mein Ziel ist, als Boxer bei den nächsten Olympischen Spielen in Brasilien für Deutschland zu starten. Danach will ich Profi werden.“ Wie der Backnanger seine Ziele zu erreichen gedenkt, bringt er auf eine einfache Formel: „Ich bin Boxer mit Leidenschaft und Herz.“
    Einen wichtigen Schritt hat der deutsche Juniorenmeister (bis 57 Kilo) jetzt erreicht: Der Backnanger lebt künftig im Olympiastützpunkt in Heidelberg.

    Die Frisur ist perfekt, helles T-Shirt mit unauffälligem Aufdruck, rote kurze Hose und helle Sportschuhe – fertig. Auffällig dagegen ist eher der klare Blick. Die Augen hasten nicht hin und her, konzentrieren sich vielmehr genau auf den Gesprächspartner. Fast so wie ein Boxer seinen Gegner im Ring studiert, um ihn zum Knockout vorzubereiten. Er scheint trotzdem genau wahrzunehmen, was um ihn herum passiert, ohne sich dabei ablenken zu lassen. Wladislav Baryshnik strahlt eine erstaunliche Reife aus, unterstreicht diesen Eindruck mit klaren Aussagen, wie: „Ein dummer Boxer, das geht gar nicht.“ Der ehemalige Schüler der Grund- und Hauptschule in der Taus wechselt in Heidelberg auf die Realschule und legt nach: „Schule ist wichtig.“ Die neuen Herausforderungen nimmt er an: „Zu Beginn der Ferien war noch alles so weit weg. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt mit der Arbeit im Olympiastützung und in der Schule.“ Für ihn, den erst 16-Jährigen ist klar: „Boxen ist harte Arbeit. Harte Arbeit für den Erfolg. Natürlich gehe ich nicht gerne von Zuhause weg, lasse meine Freunde zurück. Doch ich will diesen Weg unbedingt gehen, um meine Zukunft erfolgreich zu gestalten.“

    Wie im Ring muss Wladislav Baryshnik letztendlich seine Entscheidung allein verantworten. Und er ist bereit, die Konsequenzen zu tragen. Ein Schlüsselerlebnis hatte der Schüler bei der Europameisterschaft im Frühjahr in Bulgarien, bei der er Rang drei belegte. Dabei traf er in Sofia auf den späteren Titelträger Shamil Ibrahimzade aus Aserbaidschan: „Wir hatten vorab eine Videoanalyse gemacht. Da wirkte der gar nicht so stark. Doch im Infight drehte Shamil sich mit voller Wucht in die Schläge. Die kamen damit so hart, dass mir die Luft weg blieb. Das tat fürchterlich weh. Ich konnte kaum atmen und mich gerade noch vor dem Anzählen retten. Eine brutale Sache.“ Nach dem Kampf sei er enttäuscht gewesen. Nicht von seiner Leistung, sondern von der Niederlage generell. Niederlagen schmecken ihm nicht, obwohl er damals als 15-Jähriger gegen zwei Jahre ältere Konkurrenten angetreten war: „Die Folgerung aus diesem Kampf ist für mich, dass ich noch mehr Zeit investieren, noch härter und konzentrierter Arbeiten muss, um Erfolg zu haben.“ Der Auftritt bei der deutschen U-17-Meisterschaft im thüringischen Bad Blankenburg verblasste da etwas. Obwohl das Talent von der Murr nicht nur überlegen den Titel gewann, sondern zudem als bester Techniker ausgezeichnet worden war.


    Neben dem Training mit Coach Arthur Allerborn absolviert er zusätzlich Übungseinheiten wie Laufen und Krafttraining. Mit Tischtennis verbessert er die Reflexe. Durch Schattenboxen und Schnelligkeitsübungen bei hoher Intensität mit Allerborn wird zusätzlich verstärkt an der Handlungsschnelligkeit gearbeitet. Immer wieder Ranklotzen. Viel Freizeit bleibt nicht. „Meine Kumpel finden das okay, unterstützen mich“, meint der Kämpfer und fügt lachend an: „Die haben sich einfach daran gewöhnen müssen.“ Froh ist der 16-Jährige, dass jedoch vor allem seine Eltern hinter ihm stehen und den Rücken stärken. Gerade bei der Entscheidung, zum Olympiastützpunkt nach Heidelberg zu ziehen, wo er künftig in einem Sportinternat leben wird. Zusammen mit Talenten anderer Sportarten.


    Ein mulmiges Gefühl vor diesem wichtigen Schritt hat der Backnanger nicht, allerdings Respekt: „Durch verschiedene Lehrgänge weiß ich im Olympiazentrum Bescheid, kenne auch meinen Trainer sowie die anderen Übungsleiter.“ Da ist es wieder, dieses gesunde Selbstvertrauen bei Wladislav Baryshnik, der sich weiter erfolgreich durch sein Leben boxen will. – Im wahrsten Sinne des Wortes. Olympia 2016 in Brasilien ist das nächste ganz große Ziel. | Jürgen Klein


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